Der Balkan im Rückspiegel

Ferien! Wir sitzen auf Korfu, die Sonne brennt bei 30 Grad, das kühle Meer lockt und in den Rückspiegeln unserer parkierten Drahtesel sehen wir noch die letzten Ausläufer der Balkanküste. Und wir haben nun endlich Zeit, die vergangenen Wochen zu verdauen und vor dem geistigen Auge nochmals Revue passieren zu lassen. Uns hat selber überrascht, wie schnell wir vorangekommen sind – obwohl wir ganz bewusst immer wieder Pausen einlegten, damit wir nicht in drei Monaten schon vor der chinesischen Mauer stehen.

Vor der Abreise haben wir viel sinniert, ob uns diese Reise wohl rasend schnell oder unglaublich lange vorkommen wird. Schon jetzt können wir sagen: Beides. Der Schnee, das Südtirol und Norditalien liegen gefühlte Jahre hinter uns. Und trotzdem kommt es uns vor, als wären wir erst gestern aufs Rad gestiegen und losgefahren…

Etwas, was uns im Rückblick im Balkan sehr überrascht hat, waren die vielen Polizeikontrollen. Während in Italien tempo- und parkingmässig das Laissez Faire herrscht (Motto: Wir haben andere Probleme), nimmt man es an der Balkanküste sehr genau. Uns grinsen die Ordnungshüter zwar freundlich zu (ausser man schiesst ein Foto ihrer Autonummer, das goutieren sie dann weniger), doch unsere Autofahrerkollegen werden in Kroatien, Montenegro und auch Albanien an jeder zweiten Ecke herausgewunken. Ob es dabei tatsächlich ans Eingemachte geht oder die Angelegenheit mit einem kleinen Transfer erledigt ist, haben wir trotz genauer Beobachtung nicht herausgefunden. Aber auch hinterhältige Politessen à la zurichoise mit gezücktem Parkbussenzettel und sogar ein mobiles Radarski haben wir geortet. Fazit: Hier wird nicht gelauert!

Ebenfalls überrascht und mit etwas Sorge erfüllt hat uns der Bauboom entlang der ganzen Küste. Hier werden schneller kalte Betten gebaut, als Touristen hinfliegen können. Bunker um Bunker, Appartement um Appartement werden hochgezogen, und wenn irgendwann das Geld ausgeht, steht eine schöne Bauruine mehr an bester Lage. Dasselbe gilt für den Abfall. Während uns Kroatien mit fast überkorrekter Recyclingmentalität überrascht (Plastiksäckli kosten, PET-Flaschen und Aludosen haben Depot), quillt Albanien vor Dreck fast über. Flussläufe sind gesäumt mit bunten Plastiksäckli, die an den Ästen der Sträucher wie tibetanische Gebetsflaggen lustig im Wind flattern.

Und was hat uns am besten gefallen? Es sind wohl weniger die schön herausgeputzten Fassaden oder lauschigen Promenaden, sondern vor allem die ungeplanten Momente, die intimen Augenblicke des Einblicks in einen fremden Alltag. Sei es, beim Velo-Bewachen vor dem Supermarkt das geschäftige Treiben zu beobachten, oder bei Dunkelheit durch die hell erleuchteten Fenster ein paar Sekunden in die gute Stube zu blicken, beim Nachtspaziergang unvermittelt in einer Chorprobe zu landen oder als stiller Zuhörer dem Singsang eines Gottesdienstes zu lauschen. Es sind jene Momente, in denen wir mit einer kleinen Gänsehaut das Reisen so sehr geniessen.

 

 

Zum Schluss müssen wir euch noch etwas beichten. Seit einiger Zeit sind wir zu dritt unterwegs!

Ein neuer Mitfahrer! :-)

Nein, Thomas hat sich nach einer bravourösen Testfahrt am albanischen Strand dann leider doch wieder fürs Auto entschieden. Unser neuer Mitfahrer heisst Kuno, und er ist seit Montenegro an Bord:

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Am Lenkrad geniesst Kuno die wunderbare Aussicht – und kann wenn nötig auch Voodoo. 🙂

 

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