Disneyland in Ashgabat

Turkmenistan. Was haben wir mit endloser Warterei und Bürokratie den Besuch dieses seltsamen Fleckens, dem heissesten Land Zentralasiens, erlitten! Und nun stehen wir am Metalltor des gemeinsamen Grenzübergangs von Iran und Turkmenistan. Zuvor hatten die Iraner unsere Pässe in drei verschiedenen Büros genauestens begutachtet, bevor sie uns ihr Land verlassen liessen. Auf der anderen Seite soll es nicht weniger beamtenhaft hergehen. Der erste Soldat kritzelt fein säuberlich die wichtigsten Informationen aus unseren Pässen in sein grosses Notizbuch, bevor wir überhaupt in die überdimensionierte Empfangshalle treten dürfen. Im Gegensatz zu den übrigen Passagieren – eine turkmenische Familie und eine Gruppe Aserbaidschaner – können wir unser Gepäck immerhin rollen, während diese ihre üppigen Einkäufe (Teppiche, Kissen, Stoffrollen – Iran muss ein Shoppingparadies sein!) von Hand schleppen müssen. Nach einiger Warterei dürfen wir unsere Pässe abgeben und werden ausgefragt: Tourist oder Transit? Ähm, das steht doch auf dem Visum! Wo gedenken wir hinzufahren? Ashgabat. Welches Hotel? Öh… Hotel Ashgabat? Und dann? Mary und dann Turkmenabat. Also drei Tage im Land? Nein, voraussichtlich fünf. Grosses Rätselraten: drei Städte, aber fünf Tage – wie machen diese beiden Fremden das bloss? Wir bedeuten, dass es mit einem Fahrrad durchaus etwas länger dauern könnte, bis wir an der anderen Seite der Wüste sind. Die Luke geht zu und wir warten erneut, während die Stoffrollen und der ganze Krempel der sonstigen Reisenden auf dem Förderband durchleuchtet werden.

Einige der anwesenden Frauen lassen diskret ihre Kopftücher verschwinden, Yvonne jubelt und tut es ihnen gleich – die neugewonnene Freiheit fühlt sich komisch, aber super an! Auch für mich ist das erschreckend seltsam: Schon nach einem Monat habe ich mich offenbar total an ihr verhülltes Erscheinungsbild gewöhnt…

Nach ungefähr einer Stunde scheinen die Beamten unser 5-Tage-3-Städte-Rätsel gelöst zu haben und bedeuten uns, es dürfe nun hinter einer weiteren Tür die Einreisegebühr von 11 Dollar pro Nase bezahlt werden. Bedauerlicherweise ist da niemand, was der Herr vor uns mit entnervtem Geklingel an der Läute quittiert. Ist das etwa schon der berüchtigte russische Schlendrian? Endlich erbarmt sich die zuständige Frau und nimmt uns das Geld gegen ein Stück Papier ab. Jetzt zu den Zollformalitäten! Das Einheitsformular II.B gibt es leider nur in russischer Ausführung, immerhin hängt aber in einer Ecke ein Beispiel, wie es auszufüllen ist. Wir machen uns an die Arbeit, bald jedoch winkt ein Soldat und deutet an, wie sollen das doch einfach bleiben lassen. Wir lassen uns nicht zweimal bitten und rollen vor den X-Ray. Alle Taschen aufs Band… und die Räder? Offenbar nicht! Drüben steht eine Horde Beamte, jetzt gehts ans Eingemachte. Nachdem man den Inhalt der Taschen auf dem Bildschirm schon betrachten konnte, will man die Ware jetzt offenbar auch noch in die Hand nehmen. Jede Tasche wird auf dem Präsentiertisch fein säuberlich ausgepackt. Der eine ertastet anerkennend meinen Daunenschlafsack, während ein anderer leicht irritiert mit meinem Glöcklein aus Griechenland bimmelt. Eine Hotelseife aus Istanbul scheint ebenfalls höchst interessant zu sein. Kritisch wird es bei unserem kleinen Döschen mit gehackten Chilischoten: Ein dritter Beamter schnuppert minutiös daran, verzieht das Gesicht und fragt, ob das zum Rauchen sei?! Wir verkneifen uns das Lachen, denn noch immer ist die Hälfte unserer zwölf Taschen zu kontrollieren – unter anderem die Apotheke mit Antibiotika, die hier als Drogen klassifiziert und uns abgenommen werden könnten, oder der benzinbetriebene Kocher, ebenfalls ein sicherheitstechnisch hochriskantes Gerät. Glücklicherweise verlieren die Staatsdiener recht bald das Interesse: Wir packen unsere ausgebreiteten Sachen eiligst zusammen und machen uns dem Staub – hinein ins Niemandsland, wo Anhalten und Fotografieren strengstens verboten ist.

Von über 1500 Metern Höhe düsen wir rasant hinunter nach Ashgabat auf noch gut 200 m.ü.M., immer die Warnung des Grenzbeamten im Ohr: „Don’t stop, don’t take pictures!“ Ausser einer Handvoll Minibussen, die die wenigen Passagiere zur Grenze hoch- oder in die Stadt runterfahren, begegnen wir keinem Anzeichen von Leben. Ein endloser Stacheldrahtzaun mit einem drei Meter breiten Kiesstreifen – uns erinnert das doch sehr an die DDR – windet sich quer durch die Landschaft bis hoch zu den Bergspitzen. In der Ferne blitzen die weissen Prunkbauten von Ashgabat auf, am Berghang ragt ein bizarrer weisser Turm in die Höhe. Es fühlt sich an, als wären wir ins Filmset einer Star-Wars-Episode reingeplatzt.

Nach einem weiteren Grenzposten, wo unsere Angaben wieder fein säuberlich in den grossen Notizblock eingetragen werden, sind wir endlich aus dem streng überwachten Grenzgebiet raus… und fahren ins streng überwachte Stadtgebiet. Der Kontrast zu Iran könnte nicht grösser sein! Dort herrschte auf mittelmässigen Strassen pures Chaos und wir husteten uns durch die abgasgeschwängerte Luft. Hier empfangen uns brandneue sechsspurige Alleen mit feinstem Teer und mit perfekt geschnittenen Grasflächen eingerahmt, leere Pärke, Fussgängerstreifen mit Lichtsignalen und Rampen für Rollstühle. Nur Verkehr hat es fast keinen. Auf Grossbaustellen werden weitere riesige Anlagen gebaut – unter anderem ein Olympiapark mit Fussballfeldern, wie wir dem Schild mit dem Baubeschrieb entnehmen.

Je weiter wir ins Zentrum fahren, desto surrealer kommt es uns vor. Wir fahren die Turkmenbashi Avenue hinunter, benannt nach dem 2006 verstorbenen Diktator Saparmurat Niyazov, dem ‚Turkmenbashi‘, Vater aller Turkmenen. Die riesige Avenue ist linkerhand flankiert von Palästen und Ministerien, die allesamt leer wirken. Gegenüber erstrecken sich Hunderte von Springbrunnen und Wasserspielen in der mit Bäumen und Blumen gesäumten Allee, gelegentlich unterbrochen von Statuen, Monumenten und bizarren Architektursünden. Und das mitten in der Wüste! Nur etwas können wir kaum ausmachen: Menschen, die in diesen gigantischen Anlagen verweilen. Auch die Gebäude scheinen seltsam unbelebt. Statt klaren Scheiben haben alle Glasfronten getönte oder verspiegelte Flächen, weshalb man nicht weiss, was sich dahinter verbirgt. Die Autos auf den Strassen, sie sind alle blitzblank gereinigt. Wir sind irritiert: Sogar die älteste, klapprigste Karre glitzert in der Sonne! Kein Wunder, denn offenbar blüht jedem Fahrzeuglenker, der mit verdrecktem Wagen in die Stadt fährt, eine Busse. Zum Glück haben wir unsere Räder geputzt!

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Nach dem verstohlenen Festhalten dieser ersten Eindrücke mit der möglichst versteckten Kamera (fotografieren strengstens verboten) machen wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft. Die Preise für Ausländer sind unverschämt hoch und das Aushandeln eines Rabatts unmöglich. Billiger? Njet! An der Rezeption sitzt in der Regel eine Matrone aus sowjetischer Zeit, an der die Perestroika offenbar spurlos vorbeigegangen ist. Auf entsprechend tiefem Niveau ist die Servicequalität. Wir mögen unsere kurze Zeit aber nicht mit Hotelsuche verschwenden und lassen uns im Hotel Dayhan nieder, zu dem der Lonely Planet trocken schreibt: „Expect nothing special here – rooms have not been refurbished since Brezhnev’s time, but they are perfectly adequate and the bathrooms are not actively revolting.“ Beim Hochtragen unseres Gepäcks wird Yvonne vom Putzpersonal argwöhnisch verfolgt und angewiesen, den schönen Zimmerteppich ja nicht mit schmutzigen Schuhen zu betreten. Wir fühlen uns wirklich herzlich willkommen! 😉

Nach einer kurzen Dusche treibt es uns raus ins pralle Leben Turkmenistans – und natürlich zum ersten Bier nach einem frugalen Monat in Iran. Und die Auswahl ist riesig: Da stehen sie, die Bierflaschen, gross und klein! Noch zahlreicher sind die Wodkaflaschen! Doch leider geht auch in Turkmenistan nichts ohne Geld und genau das fehlt uns. Wir irren durch ein riesiges Warenhaus, in dem es jede noch so exotische Delikatesse aus aller Welt gibt, aber es ist wie in einem bösen Albtraum: Nur schauen, nichts kaufen. Wie hart! Aus Griechenland haben wir immer noch vorwiegend Euro, die wir vorsorglich für Iran bezogen hatten. Hier wollen aber alle nur Dollar. Schmuckverkäuferinnen, Wechselstuben und Banken, niemand will unsere schönen 50-Euro-Noten eintauschen. Wir zapfen unseren Notvorrat an Dollar an und können damit gerade knapp ein ersehntes Bier und ein Nachtessen finanzieren. Prost!

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Bierglas, Vodkaglas, Wasserglas – die turkmenische ‚Prioritätenliste‘ fängt uns an zu gefallen

Obwohl wir uns ähnlich fühlen wie ein Bettler an der Zürcher Bahnhofsstrasse, geniessen wir das turkmenische Leben in vollen Zügen. Frauen in engen Jeans oder langen, bunten Röcken, und wenn Kopftuch, dann farbig! Nach unterschiedlich hohen Durchdringungsraten von schwarzen Tschadors in Iran – zuletzt in Quchan nahezu 100% – ist es eine Wohltat, die Turkmeninnen in ihren modischen, bunten Kostümen zu sehen. Die Minorität der Russischstämmigen hebt sich von diesen sichtbar ab – kurze Miniröcke, Sonnenbrillen in Herzform und enge Tops fallen auch hier auf. Noch viel erstaunter sind wir über das Wetter. Rät doch unser Reiseführer dringlich von einem Besuch in Ashgabat zu dieser Jahreszeit ab: „Only the insane or deeply unfortunate find themselves in Ashgabat in July and August, when the temperature can push 50 degrees.“ Und was passiert? Wir werden verregnet! Mitten in der Wüste.

Am Samstagmorgen finden wir dann doch noch ein Wechselbüro und beschliessen, auch gleich einen Teil unserer Euro in Dollar zu tauschen – letzterer ist halt doch immer noch die einzige wirkliche Weltwährung. Die Dame schaut die Scheine ganz genau an und gibt einige davon zurück – sie sind ihr zu wenig neu. Hat man Worte! Da fährt man durch Länder, in denen die schmuddeligsten Banknoten mit Klebstreifen zusammengeklebt oder als Notizzettel missbraucht wurden und nun werden quasi druckfrische Euronoten aus einem griechischen Bankomaten refüsiert!

Ausgestattet mit einer Handvoll Manat, der turkmenischen Währung, hält uns nichts mehr in diesem Disneyland. Das bisschen Feuchtigkeit des nächtlichen Regens ist schon längst wieder verdampft und wir machen uns auf die Suche nach der inoffiziellen Busstation, wo Kleinbusse und Taxis um Passagiere buhlen. Allerdings kommen wir offenbar gerade zu einer ungünstigen Zeit mit mehr Nachfrage als Angebote, und auf so einem Verkäufermarkt kriegt man selten ein gutes Angebot. Also geht die Feilscherei los. Absurde 100 Dollar und mehr wollen die Kollegen: Wir würden mit unserem Gepäck ja den ganzen Minivan belegen und somit entgingen ihnen die Einnahmen weiterer Passagiere. Während ich unsere Fahrräder bewache, feilscht Yvonne mit zig Fahrern hart um einen fairen Fahrpreis: Wie schön! Seit Betreten der Türkei war die Rollenverteilung immer umgekehrt…

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Als wir mit einem Fahrer einig sind und schon eifrig Taschen ins Fahrzeug hieven, kommt die nächste Masche: Zu viel Gepäck! Guter Mann, du hast doch unsere Velos vorher gesehen! Unter gütiger Mithilfe eines jungen Turkmenen, der eben erst von einem zweijährigen Studienaufenthalt in London zurückgekehrt ist, gelingt uns das Chartern eines Minilasters, der neben unseren Velos auch noch ein paar Spanplatten nach Mary transportiert.

Wir schmeissen den ganzen Krempel hinten in den Karren und nehmen neben dem Fahrer Platz. Es folgt die Fahrt auf einer Strasse, die selbst die Holperpisten Albaniens in glänzendem Licht erscheinen lassen. Welch ein Kontrast zum blitzeblank herausgeputzten Ashgabat! Kaum sind wir einige Kilometer aus der Stadt gefahren, ist Schluss mit Pomp. Unser Lastwägeli hebt mancherorts fast ab und wir zittern um unsere Räder, die hinten im Laderaum lose auf unseren Taschen liegen. Wir können nur noch beten, dass wir und vor allem die Velos heil ankommen. Gütigerweise hat unser fröhlicher Fahrer eine CD dabei, weshalb wir die bedrohlichen Geräusche unseres herumfliegenden Gepäcks nur noch in Gedanken miterleben. Stattdessen ergötzen wir uns an der Endlosschlaufe einer Auswahl eingängiger Songs, unter anderem einer eigenwilligen Coverversion von „Final Countdown“ (wie passend!) und einem echten Gassenhauer mit dem sinnigen Refrain „Little Sexy Lady“.

Sieben Stunden beten, dann sind wir in Mary, im Herzen Turkmenistans. Hinter uns liegen 350 Kilometer übelster Asphaltpiste und mindestens fünf bestochene Polizeibeamte. Es ist kurz vor Sonnenuntergang und wir müssen rasch entscheiden, wie es weitergehen soll.

  • Option 1: Den Zug nach Turkmenabat nehmen. Die Chance auf ein „Njet“ der Sowjetmatrone am Schalter liegt bei rund 99%.
  • Option 2: Sofort losfahren und noch möglichst ein paar Kilometer machen, damit wir die 250 Kilometer Wüstenfahrt nach Turkmenabat auf dem Velo in zwei Tagen schaffen.
  • Option 3: Sich hier ein Zimmerchen suchen und am Folgetag ein weiteres Fahrzeug nach Turkmenabat chartern – und sich so zwei Tage Wüstenritt ersparen.

Option 1, den Zug, schminken wir uns nach nervenaufreibendem Anstehen im Bahnhof und dem erwarteten „Njet“ der eiskalten sowjetischen Babuschka ab. Wieso alle anderen Zug fahren dürfen und wir nicht, werden wir mangels Russischkenntnissen nie erfahren. Leider ist es für Option 2, Weiterfahren, inzwischen auch zu spät. Es ist dunkel, die Läden sind jetzt geschlossen und wir können es nicht verantworten, ohne jegliche Wasser- und sonstige Vorräte in eine zweitägige Tour in die Einöde zu starten. Also fragen wir uns in der Wüstenstadt durch nach einer Bleibe. Fast 100 Dollar will ein einigermassen heruntergekommenes Dreisternehaus, ein übler Sowjetplattenbau will ähnlich viel und wir liebäugeln bereits damit, unser Zelt irgendwo in einen düsteren Park zu stellen. Am Stadtrand finden wir dann doch noch ein passables Motel. Auf dem spätabendlichen Ausflug zur Nahrungssuche begegnen wir sturzbetrunkenen Turkmenen, die nach einer Hochzeitsfeier auf dem Boden herumliegen. Nur ein Gasthaus oder zumindest einen kleinen Supermarkt finden wir nicht. Einzig in gebrauchte 1,5l-Plastikflaschen frisch abgefülltes Bier wird uns angeboten. Da sagen wir für einmal „njet“!

Nächstentags geht es wieder los mit Taxisuche, die Preisverhandlungen sind zäh und nach komplett eingeladenem Gepäck ist der Preis dann erneut höher als abgemacht, weil die Velos einen zusätzlichen Sitz belegen. Schliesslich geht es aber doch los in die ominöse Karakum-Wüste. Der Strassenzustand ist spürbar besser und unser Fahrer tritt kräftig aufs Gaspedal. Doch plötzlich fängt er wie wild an zu winken und macht seltsame Handzeichen. Hat ihn der Wüsten-Koller erwischt? Nein, es handelt es sich offenbar um ein ausgeklügeltes Kommunikationssystem, um sich gegenseitig vor Polizeikontrollen zu warnen. Tatsächlich, wir können es kaum glauben: Alle zehn Kilometer sitzt wieder ein einsamer Polizist mitten in der leeren Ödnis und büsst Temposünder. Unglaublich!

Dank diesen Handzeichen und einer entsprechend rasanten Fahrt stehen wir bereits drei Stunden später auf dem Bahnhofsplatz von Turkmenabat. Wie schon in Mary gibt es hier so gut wie gar nichts zu sehen, weshalb wir beschliessen, die Strecke bis zur usbekischen Grenze gleich anzuhängen. Vielleicht schaffen wir es ja sogar noch, die Einreiseformalitäten zu erledigen!

Die Mittagshitze lassen wir aus und verbringen zwei fröhliche Stunden in einem schummrigen Lokal, wo das russisch angehauchte Personal und auch die wenigen anderen Gäste ihre helle Freude an uns zwei Exoten haben und uns einen kleinen Russisch- und Turkmenischkurs geben. Wir bestellen eine Pizza Margherita und dazu ein Bier, mmmh! Stuzig macht uns einzig, als die Bedienung nach aufgenommener Bestellung zurückkommt und fragt, ob wir unsere Margherita mit Fleisch oder mit Poulet haben möchten. Ähm, am liebsten weder noch! 😉

Gestärkt und beschwingt machen wir uns auf zur Grenze. Diese schliesst um 18 Uhr und wir haben sowohl die Distanz als auch den Gegenwind unterschätzt. Kurz nach der Stadtausfahrt ist der Amurdarya-Fluss zu überqueren. Was für ein Gegensatz zur Anfahrt nach Ashgabat zwei Tage zuvor! Vom Prunk der vielen Erdgasmilliarden ist hier gar nichts mehr zu spüren. Eine baufällige, rostige Pontonierbrücke gewährleistet die Verbindung zum östlichen Nachbarland. Einige Kilometer weiter schauen wir verdutzt auf unser GPS: Es führt uns von der passablen Strasse scharf links ab auf ein unscheinbares Nebensträsschen. DAS soll die Hauptverkehrsachse ins Nachbarland Usbekistan sein? Ein Lastwagenfahrer schafft Klarheit, die Richtung stimmt. Im Abendlicht nehmen wir diesen letzten, lauschigen Abschnitt einem kleinen Fluss entlang unter die Räder. Es ist schon längst nach 18 Uhr und wir halten bereits Ausschau nach einem geeigneten Zeltplätzchen, als am Horizont die endlose Kolonne wartender Lastwagen auftaucht.

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Wir fassen uns ein Herz und fahren frech an allen vorbei bis zur Schranke. Die Lastwagenfahrer bedeuten uns, es sei geschlossen, wir sollten viel lieber mit ihnen Tee trinken. Doch was passiert? Ein Soldat winkt mich heran und will unsere Pässe sehen. Ein Blick auf die Visa, die Schranke geht hoch und wir dürfen uns an die Ausreiseprozedur machen. Wiederum stochern ein paar Beamte lustlos in unseren Taschen herum, geben aber schnell wieder auf: „Goodbye!“ Das wars?!? Kein Durchsuchen der Kamera nach verbotenen Bildern wie bei anderen Travellern? Nichts mit der dubiosen Ausreisegebühr, die wir extra schon bereithalten? Ist ja ein echter Service Public hier! Wir schwingen uns auf die Räder und fahren ein paar hundert Meter, bis wundersam vertraut der erste usbekische Soldat unsere Pässe sehen will. Es wird also nichts mit einer Zeltnacht im Niemandsland…

4 comments to Disneyland in Ashgabat

  • Zwischen Beklommen und Fasziniert lese ich diese Zeilen. Ein Land im Spießrutenlauf, dünkt es mich? Viel Glück weiterhin.
    Jürgen

  • Rita

    Liebe Yvonne und Christian,

    welche Ueberraschung als ich die Karte im Briefkasten hatte.
    Ganz herzlichen Dank habe mich riesig gefreut.
    Euch wünsche ich weiterhin viele positive Erlebnisse und gute Reise.
    Vielen Dank für die spannenden Bericht und Fotos.
    Da ich im Moment viel unterwegs bin habe ich dann immer viel zum lesen.
    Ganz liebe Grüsse
    Rita

  • Möfe

    Hey ihr beiden Strampeltiere

    Das sieht ja verdammt spannend aus. Da wird man direkt neidisch und man möchte auch gleich auf den Drahtesel sitzen und davondüsen. Ich bin jetzt bereits eine Stunde auf eurer Website und habe mir gesagt, dass ich jetzt langsam aber sicher einen Kommentar abgeben muss (weiss nicht, wann ich das letzte Mal solange auf einer Website war): „Echtes, tief empfundenes Kompliment von mir! Respekt!!

    Hebet’s guet, passed uf und chömed gsund wieder zrugg!!

    Lieber Gruss
    Möfe

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