Big Brother Mouse sagt Danke!

Wir sind überwältigt! Vor wenigen Wochen haben wir von der Organisation „Big Brother Mouse“ berichtet, die wir 2010 auf unserer ersten Veloreise durch Laos kennengelernt haben. Während wir uns in den folgenden Tagen Luang Prabang näherten, sind viele unserem Aufruf gefolgt, sich an einer Spende für ein neues Buch zu beteiligen. Mit grosser Freude dürfen wir verkünden, dass wir gemeinsam unser Ziel erreicht haben: Den laotischen Kindern im Namen von furt.ch ein Buch zu spenden! Zu unserer riesigen Überraschung und Freude ist dabei nicht nur der Minimalbetrag zusammengekommen. Wir konnten deshalb ein besonders schönes Buch auswählen: Die Geschichte des jungen Prinzen Sithon, der sich in die hübsche Manola verliebt.

sithonmanola200x284Thao Sithon was a young Lao prince. He heard about Manola from a palace guards, and fell in love with her. But soon after they were married, they separated, as he had to go to war. This famous Lao folktale tells of the couple’s quest to be together again.

The walls of Buddhist temples in Laos are often decorated with pictures from folktales and religious parables. This book is illustrated with paintings of Sithon and Manola from one such temple.

Retold by Kongsy Vilayphone and Khamphong Vongpachit, photographs by Kongsy Vilayphone Lao language, 64 pages, A5

Das Buch ist erst kürzlich für den Druck vorbereitet worden und muss nun nicht lange auf einen Sponsor warten, sondern wird schon bald in den Dörfern von Laos vielen Tausend Kindern Lesespass bereiten. Wir danken allen unseren Leserinnen und Lesern, die sich an der Aktion beteiligt haben, ganz herzlich für die grosszügigen Beiträge! Dank euch konnten wir Big Brother Mouse 2’400 US-Dollar für die Herstellung dieses Buches überreichen.

Normalerweise hat man als Spender ja keine Möglichkeit, mit vertretbarem Aufwand die Arbeit einer unterstützten Organisation vor Ort persönlich zu beurteilen. Wir sind nun aber da – und das erst noch ganz ökologisch mit dem Velo! So nutzen wir am 22. November die Gelegenheit, Big Brother Mouse bei der Arbeit zuzuschauen und in ein laotisches Dorf zu begleiten. Eine Book Party im Dorf „Huyamak“ steht an! Big Brother Mouse versucht, bei jeder der unzähligen Schulen in der Region ein Mal pro Jahr vorbeizugehen. In Huyamak sind seit dem letzten Besuch bereits drei Jahre vergangen. Mit vier weiteren Sponsoren starten wir frühmorgens im Minibus und fahren nordwärts. Bald biegen wir von der asphaltierten Strasse ab und sind innert Minuten im ärmlichen Laos: Auf einem ausgewaschenen Fahrweg geht es über Stock und Stein, mitten durch Bäche und an vielen winzigen Dörfern vorbei. Man fragt sich still, wie oft diese Leute hier wohl in die Stadt kommen? Wohl nie. Mehr als einmal muss unser Fahrer einen Bauern nach dem richtigen Weg fragen: Geradeaus oder doch den steilen, unscheinbaren Pfad die Böschung hoch? Wir wären hier schon längst verloren.

Nach langer, staubiger Fahrt erreichen wir unser Ziel. Unser Besuch ist angekündigt, die Kinder warten bereits aufgeregt auf die Gäste aus der fernen Stadt – und noch spannender sind wohl die sechs „Falangs“, Ausländer, die mit von der Partie sind. Unter freiem Himmel versammeln sich die Klassen in Reih und Glied und hören aufmerksam der Bekanntgabe des Tagesablaufs zu. Dann gehts los, mit Geschrei stürmen die Kinder in die Schulzimmer und schon bald haben wir alle Hände voll zu tun bei der Verteilung eines lustigen Rätsel- und Spielhefts. Ein paar Erklärungen über die verschiedenen Denkspiele, und schon wird es still im offenen Bambusschulhaus. Gross und Klein, gerüstet mit den funkelnagelneuen Bleistiften, beugt sich über die Hefte und schreibt, malt und zeichnet, was das Papier hergibt. Ab und zu braucht es einen neugierigen Blick zum Nachbarn – vielleicht hat der ja schon die Lösung des Buchstabenrätsels gefunden, bei dem man selbst nicht mehr weiter weiss!

Schon geht es draussen weiter: Die ganze Schule, insgesamt rund 130 Kinder, bildet einen grossen Kreis. In der Mitte steht Sone von Big Brother Mouse und erklärt das erste Spiel: Alle müssen auf seinen Befehl springen, stehenbleiben oder sich ducken – wer falsch reagiert, muss in die Mitte des Kreises marschieren. Dort erwartet die „Verlierer“ eine Handvoll weisses Pulver. Das Gekicher und ausgelassene Geschnatter ist riesengross, als sie sich ihre Gesichter damit einreiben: Kleine Schneemänner mitten unter der laotischen Sonne!

Zurück im Klassenzimmer, lesen die Mitarbeiter von Big Brother Mouse laut aus einem der Bücher vor. Die bunten Bilder spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Kinder werden so animiert, später zu Hause und in der Schule ebenfalls laut zu lesen und die bebilderten Geschichten zu erzählen. Dicht gedrängt sitzt die Kinderschar auf den schmalen Holzbänken und lauscht gebannt der Erzählung. Wir sind beeindruckt von der packenden, humorvollen und äusserst motivierten Art des Teams von Big Brother Mouse – es weiss, wie man Kinder begeistert. Zu vermitteln, dass Lesen Spass macht, ist eines ihrer Hauptziele – und das haben sie voll erreicht! Von den lokalen Lehrern hingegen haben wir nicht den Eindruck, dass sie ihre Aufgabe mit besonders viel Hingabe, Kreativität und Spass meistern. So ist denn auch die Lehrerausbildung ein weiteres Thema, dem sich Big Brother Mouse annehmen möchte…

Nach einer kleinen Erfrischungspause folgt der Höhepunkt des Tages: Jedes Kind erhält sein eigenes Buch. Wir werden umringt beim Verteilen der Schätze – wer bereits ein Buch sein eigen nennen darf, zeigt dieses wie ein Juwel herum, vertieft sich augenblicklich in die spannende Geschichte oder schaut sich die wunderbaren Illustrationen an.

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Beispielseite aus „unserem“ Buch Sithon and Manola. Bildern wird viel Platz eingeräumt, weil zu viel Text die meisten Kinder überfordern würde.

Zum Schluss übergibt Big Brother Mouse der Lehrerschaft einige Schachteln weiterer Bücher. Damit wird in der Schule eine kleine Bibliothek eingerichtet, in der die Kinder ihre Bücher tauschen und so weiteren Lesestoff erhalten können. Für den Rest des Nachmittags kriegen die Schüler frei – wir begleiten sie noch zu einem kurzen Spaziergang durch das Dorf, bevor wir unsere Rückreise antreten. Wir sind uns einig: Big Brother Mouse leistet mit einem kleinen, motivierten Team hervorragende Arbeit und ermöglicht es etlichen Kindern, auf vergnügliche Art das Lesen zu üben. Wir sind glücklich, dass wir stellvertretend für unsere Leserschaft und unsere Sponsoren einen Einblick in dieses Projekt erhalten durften. Möge die Geschichte von Sithon und Manola vielen laotischen Kindern packende Lesestunden bereiten und ihnen den Weg in die Welt des Lesens ebnen!

4 comments to Big Brother Mouse sagt Danke!

  • Kurt Wulle

    Wunderbar, einfach wunderbar.

  • Petra

    Genial, ihr zwei seid auch ganz grosses Kino! Und ein wunderschönes Buch habt ihr ausgewählt, ich kann mir bildhaft vorstellen, wie es den Kids Spass macht, dies zu lesen. Danke!!

  • Heute kam Post von Euch aus Thailand. Dankeeee für die schöne Karte! Tolle Schönschrift, Und eine gelungene Überraschung. Den Vor-Kommentatorinnen kann ich mich nur anschließen.
    Liebgrüß
    Jürgen

  • Markus

    Hallo Ihr Beiden! Vieleeeen Dank für die nette laotische Post. Eine tolle Überraschung zur Vorweihnachtszeit. Da habt ihr euch wirklich Mühe gegeben. 😉
    Noch alles Gute für den Rest der Reise.

    Gruss aus dem Schwabenland

    P.S. In Nehren wurde übrigens letzte Woche das Ernst Imanuel Wulle Kinderhaus eingeweiht. Ihr wisst schon …

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