Auf der Suche nach Malaysias Charme

Ein bisschen erstaunt sind wir ja schon, als der Zöllner nach keiner halben Minute unsere Pässe durch die Luke schiebt und uns in Malaysia willkommen heisst. Ein zweiseitiges Formular mit den üblich unnützen Fragen zu unserem terroristischen Hintergrund hätten wir erwartet. Oder zumindest ein Foto, bitte recht freundlich und ohne Brille oder Kopfbedeckung. Nichts dergleichen, er knallt nur einen Einreisestempel in den Ausweis und schon dürfen wir drei Monate im Land verweilen. Solcherlei unkomplizierte Verhältnisse haben wir seit der Türkei nie mehr erlebt!

Schon in den ersten Kurven nach der Grenze wird uns klar, dass wir verkehrstechnisch in einer ganz anderen Welt gelandet sind. Auf den Strassen fahren keine schicken Toyota Hilux mehr, sondern klapprige, rostige Limousinen und Kleinwagen aus den 1980er-Jahren. Mit der Zeit erkennen wir einige Zusammenhänge. Viele der Klappermühlen sind mit einem Logo geziert, das wir zuvor nicht kannten. Es handelt sich um Autos der Marke „Proton“, der malaiischen Nationalautogesellschaft. Eine Erfolgsgeschichte scheint das nicht zu sein. Da ausländische Wagen lange mit horrenden Zöllen belegt wurden, fehlte die belebende Wirkung von Konkurrenz. So fahren halt vor allem alte Kisten herum.

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Ein Proton erster Güte!

Wären genauso wenige Autos unterwegs wie in Thailand (48 pro 1000 Einwohner), dann könnten wir weiterhin ganz entspannt auf ruhigen Nebenstrassen nach Süden pedalen. Doch wir haben die Rechnung ohne die verfehlte Verkehrspolitik Malaysias gemacht, die uns fünfmal mehr Kraftfahrzeuge beschert (257 pro 1000 EW). Wir rätseln die ganze Zeit über die Ursache dieser Autodichte, bis uns ein Licht aufgeht: Der Sprit ist im Petronas-Land mit 55 Rappen pro Liter so billig, dass sich alle für jede noch so kurze Strecke motorisiert fortbewegen. Uns beschleicht irgendwann sogar das Gefühl, dass der Staat Arbeitslose dafür bezahlt, mit irgendwelchen Lotterautos in der Gegend herumzukurven. Hauptsache, etwas Öl wird in die Luft geblasen!

Nach langen Monaten mit fremden Schriftzeichen oder Buchstaben sind wir wieder beim wohlbekannten lateinischen Alphabet angekommen. Und nicht nur das: Wie in der Türkei geht es bei gewissen Ausdrücken recht flott mit der Aneignung der neuen Sprache: Auf der Strasse überholen uns die Motosikal, im Laden kaufen wir im Gefrierfach Ais Krem und bezahlen diese am Kaunter. Günstig schlafen tut man im Bajet Hotel, das man sich nach einem Besuch der Hompej per e-mel reserviert hat. An der Stesen weist eine Notis darauf hin, dass die Teksi neu an der Hinterseite des Bahnhofs warten. Am meisten Freude macht uns natürlich das Basikal, obwohl wir fast die einzigen auf einem unmotorisierten Zweirad sind. Wir wandeln kurzerhand den Ohrwurm von Olivia Newton-John ab und singen seither immer wieder mal: „Let’s get a basikal, basikal, I wanna get a basikal!“ Abgesehen von diesen importierten Wörtern ist Malay für uns ausschliesslich Kauderwelsch.

Zigaretten sind wieder in, selbstverständlich rauchen aber fast ausschliesslich die Männer. Die Jungs spielen Fussball und überholen uns viel zu laut und viel zu schnell in Gruppen auf dem Motorrad. Wir merken, dass wir nach dem emanzipierten Thailand wieder in einer Welt der Machos angekommen sind. Irgendwie erinnert uns Malaysia an Albanien. Viele Frauen tragen Kopftuch, der Muezzin ruft mehrmals täglich lautstark zum Gebet. Am Strassenrand sind unzählige Autowaschanlagen auf Kundenfang und beim Autohändler warten wieder glänzige Sportfelgen aller Art auf einen Käufer. Déjà vu!

In den Städten merken wir rasch, wer in welchem Quartier ansässig ist. Stossen wir auf viele Werbetafeln mit chinesischen Zeichen, haben die Chinesen Oberhand. An den vielen offenen Restaurants mit duftenden Buffets sind die Inder-Gegenden leicht zu erkennen. Oftmals ist es jedoch ein buntes Gemisch der verschiedenen Ethnien: Neben dem Hindu-Tempel bietet ein chinesischer Grosshändler gefrorene Hühnerfüsse feil, während gegenüber in der malaysischen Garküche die Inderfamilie genauso wie der Chinese einkehrt.

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Unsere südindischen Favoriten: Roti Canai (links) und Thosai (rechts) sind zu jeder Tageszeit ein perfekter Snack!

Der krasse Wechsel vom Königreich Thailand nach Malaysia überrascht uns. Kurz vor der Grenze fahren wir durch unbefahrene, grüne Landschaften – auf der anderen Seite ist das Land vollkommen gerodet, zugunsten von riesigen, schattenlosen Reisfeldern. Dank dem chinesischen Neujahr sind die Dörfer und Städte gespenstisch leer. Die vielen chinesischen Betonbunkerbauten sind geschlossen und machen einen abweisenden Eindruck. Keine orange gewandeten Mönche, keine lustigen Tuktuks oder Kollektivtaxis, keine kleinen Esstände an der Strasse, stattdessen fahren beschnauzbartete Muftis ihre Schleiereulen auf dem Motorrad zum nächsten Restaurant spazieren – und alles muss natürlich halal sein. Wir fragen uns ganz entsetzt: Ist Malaysia komplett ohne Charme?

Auch landschaftlich begeistert uns das Land mit einigen Ausnahmen wenig, was aber wohl mit unserer Routenplanung zu tun hat: Wir fahren im besiedelten Westen südwärts, da wir mit unserem Flug nach Neuseeland ja nun einen „Termin“ in Singapur haben. Viele Brachflächen warten auf die nächste Palmölpflanzung. Die wenigen Strandabschnitte im Nordwesten des Landes laden selten zum Bade, die Städte verbreiten mangels optischen Reizen oft eine leicht deprimierende Stimmung. Die Strassen sind kilometerweit schnurgerade. Es herrscht immer noch Linksverkehr, was für uns mittlerweile das natürlichste der Welt ist.

Der dichte Verkehr jedoch macht uns auch nach Tagen noch zu schaffen. Gefährlich wird es zwar selten, aber stundenlanges Fahren auf schmalen Strassen in der feuchten Hitze, während pausenlos Motorfahrzeuge an einem vorbeibrausen, ist einigermassen grenzwertig. Von einem Engländer mit malaiisch-chinesischer Frau erfahren wir, dass sich die ärmeren Leute die Autobahngebühren sparen und stattdessen auf den kleineren Landstrassen fahren. Ob die Töff- und Autoflotte deshalb eher aus in die Jahre gekommenen Rostmühlen besteht? Bedrohlich knatternde Motorräder und Autos kurz vor dem gefühlten Verschrottungsdatum wechseln sich ab mit gepimpten „Sportwagen“ mit breiten Reifen, riesigen Auspuffrohren und bedrohlich hohen Heckspoilern.

Und wo werden die vielen Autos nachts hingestellt? Das lernen wir in der Agglomeration rasch. Hier werden Wohnblocks zweigeteilt: Die unteren 10 Stockwerke sind das hauseigene Parkhaus, oben befinden sich die Wohnungen. Ein wahrer Alptraum für den VCS: Während in der Schweiz gegen jeden einzelnen Parkplatz gekämpft und Einsprache erhoben wird, gibt es hier vermutlich eine Pflicht, den Bewohnern eine ausreichende Anzahl an Garagenplätzen bereitzustellen.

In drei Etappen fahren wir bepackt mit lauter neuen Eindrücken nach Butterworth, wo wir zum ersten Mal seit Istanbul eine Fähre besteigen. Unser Ziel: Georgetown, ein kultureller Schmelztiegel sondergleichen auf der Insel Penang und seit 2008 Unesco-Weltkulturerbe. Wir verlieben uns sofort in dieses faszinierende Gemenge von chinesischer, indischer und malaiischer Kultur. Na endlich: Hier ist er, der Charme von Malaysia!

7 gute Gründe für ein Hotelzimmer ohne Fenster

In Malaysia, so sind wir im Vorfeld gewarnt worden, seien die Unterkünfte doppelt so teuer wie in Thailand, dafür halb so gut. Ideale Kombination! Um unser Budget zu schonen, landen wir deshalb des Öfteren in einem Hotelzimmer ohne Fenster. Offenbar ist in Malaysia ein Stück Glas bares Geld wert. Was wir am Anfang als leicht deprimierend empfinden, entpuppt sich jedoch bald als wahrer Segen.

Hier die Gründe:

1. Im Zimmer ohne Fenster bleibt es dunkel. Tag und Nacht. Da südostasiatische Hotels von (ernstzunehmenden) Vorhängen noch nie gehört haben, bleibt uns so des Morgens früh das lästige Licht im Gesicht erspart.

2. Ein Zimmer ohne Fenster bietet eine Oase der immergleichen Temperatur. Denn durch manch einfach verglaste Scheibe heizt die Sonne den Raum auf Saunatemperatur (Malaysia), oder aber die Temperatur sackt dank fehlender Isolation auf Umgebungsniveau ab (Osttibet).

3. Da Moskitos die Kunst der Materialisation noch nicht beherrschen, reduziert ein fehlendes Fenster die Mückendichte massiv. Denn wenn wir eines der Biester verquetscht haben, können wir sicher sein, dass wenigstens auf diesem Weg keine Truppen nachrücken.

4. Wenn es um unerwünschten Schall (auch genannt: Lärm) geht, ist eine dicke Wand stets von Vorteil. Obwohl die wummernden Bässe, die Schreie aus dem TV nebenan oder ein Muezzin mit überlautem Organ selbstverständlich auch durch Wände diffundieren, ist man ohne Fenster vor kleineren akustischen Belästigungen wie Strassenlärm meist ganz ordentlich geschützt.

5. Auch Düfte reisen. Leider. Der Duft der Kloake zum Beispiel, der Frittierbude, von rauchenden Mitmenschen und die Abgase der Strasse, sie alle bleiben eher draussen – denn dicht sind die Fenster in den wenigsten Fällen.

6. Ein Zimmer ohne Fenster erspart uns den Blick auf die meist doch eher klägliche Aussicht. Hässliche Betonwand des Nachbarhauses? Vermüllter Innenhof? Oder Abwasserkanal, auf dem fröhlich die Fäkalien gondeln? Überbewertet!

7. Ein Zimmer ohne Fenster sorgt nicht zuletzt für Überraschungen. Herrschte beim letzten Verlassen draussen noch eitel Sonnenschein, kann es beim nächsten Mal Bindfäden regnen. Wetterwechsel? Verpasst! Ist gerade eine Grossdemonstration vor dem Hotel vorbei und hat die Gegend verwüstet? Verpasst! Ohne Fenster weiss man nie, ob die Welt beim nächsten Ausflug immer noch dieselbe ist. Spannend, oder?

Steht im Prospekt „Gartenblick“? „Zentral gelegen“ oder „pulsierendes Nachtleben“? Bucht doch künftig gleich fensterlos! Ihr wisst jetzt, warum.

Im Schmelztiegel von China, Indien und Malaysia

P1120844Welcome to Georgetown! Wir tauchen ein ins Getümmel von ‚Little India‘, dem Inderquartier der Stadt: Gebetsutensilien und neonfarbiges Dekor für den Heim-Schrein leuchten auf den Verkaufsständern, Duftkerzen und Räucherstäbchen in tausend exotischen Varianten verbreiten ein Bouquet wie in einem Maharaja-Palast. Goldschmuck glänzt in den Tresen, beim Schneider werden farbige Saris und erstaunlich freizügige Wäsche feilgeboten. Genauso bunt wie dieser Mix von Farben und Gerüchen ist der Geräuschteppich: Tamilische Songs plärren aus riesigen Lautsprechern, übertönt einzig vom knatternden Motorenlärm vorbeifahrender Motorräder. Etwas weiter erhaschen wir Wortfetzen eines hitzigen Verkaufsgesprächs. Indisch, Chinesisch, Englisch, alles gleichzeitig und wild durcheinander.

Riesige Säcke mit Basmati- und Parfümreis stapeln sich neben Netzen voller Zwiebeln, Kartoffeln und Knoblauch. Von der Auslage weht der Duft von frischen Kräutern und Gemüse, das mit seinen kräftigen Farben heraussticht. Im Gefrierschrank lagert frischer Ingwer. Im Wind baumeln Beutel voller frittierter Papadam – knusprige Fladen aus Linsenmehl – weiter hinten im langgezogenen Raum stehen in Leinensäcken allerhand Nüsse, Linsen, Körner, Hülsenfrüchte, Chilischoten und eine Hundertschaft Gewürze. Kreuzkümmel, Chili, Kurkuma, Kardamom, Pfeffer, Senfkörner, Zimt, Fenchelsamen, Muskat, Sternanis und unzählige Currys – all das vereint zu einer Symphonie der Düfte.

In winzigen Verkaufsständen auf der Strasse werden allerhand Snacks im heissen Öl gebadet, die für umgerechnet nicht mal 15 Rappen verkauft werden. In Bananenblätter eingewickelter Reis, der in Kokosmilch gegart wurde und je nachdem mit Nüssen, Gurken oder Eiern ergänzt wird. Wir lassen uns immer wieder mal zu einem Probiererli hinreissen: Eine Tüte voller scharfer, süsser und nicht zuletzt fettiger Häppchen wechselt den Besitzer und wir machen einen weiteren Stich in unserer Liste der Street-Food-Sünden.

P1120839In den zahlreichen Restaurants geht es genauso köstlich weiter. Statt auf einem Teller wird in den einfacheren Gaststätten auf einem Bananenblatt serviert, gegessen wird mit den Fingern. Die Kellner zirkulieren mit den verschiedenen Speisen um die Tische und man lässt sich das Gewünschte einfach aufs Blatt legen. Dazu bestellt man sich Roti, das luftige Fladenbrot, oder Thosai, eine Art Crèpe mit einer Füllung nach Belieben: Masala, Gemüse, Ei oder auch süss mit Bananenstücken oder Kokosnussmilch. Die gewünschte Sauce dazu schöpft man sich gleich selbst: Sambar (eine Linsensauce), Zwiebel-Tomaten- und Besan- (Kichererbsen) Chutney nach Herzenslust. Mmmmh! Ein Essensparadies, wo wir wochen-, wenn nicht monatelang verweilen könnten! Ob wir dann allerdings noch in unsere Velohosen passen würden, steht auf einem anderen Blatt…

Uns gefällt die Stadt mit ihren multikulturellen Quartieren, lebhaften Kneipen und immer neuen Überraschungen an jeder Ecke ausserordentlich. Immer wieder gibt es Street Art aufzuspüren. In einem unscheinbaren Winkel versteckt sich ein chinesischer Tempel, nur entdeckt durch den Duft von Hunderten von Räucherstäbchen. In der Ferne erinnert ein Glockenschlag an die englische Vergangenheit. Am ehemaligen Hafen laden die ins Meer hinausgebauten Pfahlbauten der Jetty Clans zu Erkundungstouren ein.

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An der Uferpromenade werden wir von einer Gruppe Studenten angesprochen und zu einer gemeinsamen Tanzeinlage eingeladen. Und sind wir danach hungrig, wartet nicht weit entfernt ein Strassenrestaurant mit chinesischem Buffet auf knurrende Mägen. Georgetown, eine Stadt zum Verweilen!

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Einen Glückstreffer landen wir mit dem Zeitpunkt unseres Besuchs. Zwar sind deswegen fast alle Hotels restlos ausgebucht und wir finden nur mit Mühe eine Bleibe, dafür werden wir mit einem Spektakel der besonderen Art belohnt: Wir landen inmitten der Festivitäten zum chinesischen Neujahr. Die halbe Innenstadt ist für den Verkehr gesperrt, viele Geschäfte haben tagelang geschlossen und es werden eifrig Bühnen und Essensstände aufgebaut. Am Abend stürzen wir uns dann ins Geschehen: Drachentanz, Puppentheater, Kampfsportvorführungen und zum Schluss ein riesiges Feuerwerk. Was für ein Fest! Aber seht selbst:

 

Und täglich macht es „Päng!“

Witzig, wie unterschiedlich Länder sein können! Die Veränderungen hinter Staatsgrenzen ist etwas, das uns immer aufs Neue fasziniert. Wie fast überall fragt man uns in Malaysia zuerst: „Woher seid ihr?“ In Thailand hingegen interessiert stets nur das Gegenteil: „Wohin des Weges?“

Die malaiischen Chinesen sind gesittet, freundlich und zivilisiert, sprechen Englisch, bauen hübsche Tempel und bewahren ihre Traditionen. Die Chinesen in China hingegen ersetzen ihre Vergangenheit mit Hochdruck durch moderne Wolkenkratzer und Schnellstrassen. Schon komisch: Optisch erscheint uns Malaysia um Welten chinesischer als das Mutterland.

Und etwas Weiteres fällt uns ins Auge – das heisst, ins Ohr. Kaum über die Grenze gefahren, werden wir nicht nur zu jeder Tages- und Nachtzeit von überlauten, übermotivierten und scheppernden Muezzins begrüsst, sondern auch von fröhlichem Schwalbengezwitscher. Zwar erfreuen wir uns ob dieser musikalischen Dauerbegleitung, aber irgendwie klingt es zu surreal, um wahr zu sein. Und so ist es. Später erfahren wir, dass die Chinesen mit Tonband-Vogelgezwitscher Schwalben anziehen, damit diese in ihren extra dafür gebauten Betonsilos nisten. Die Nester werden dann teuer ins Mutterland verkauft – zum Essen, natürlich!

Georgetown verlassen wir mit mindestens einem weinenden Auge. Gerne wären wir noch länger verweilt – denn wo sonst auf dieser Erde gibts Iran, China, Indien und koloniales England auf einem Fleck? Dazu kommt, dass die nächsten Etappen wenig Aufregung versprechen. Malaysias Westküste taugt definitiv nicht für Velofahrer: Zu viele dicht befahrene Strassen, zu viele Palmölplantagen, zu viele hässliche chinesische Ladenzeilen und viel zu heiss, als dass es noch gesund wäre. Damit wir nicht bei 46 Grad und mehr radeln müssen, sind wir zudem einmal mehr bereits bei Sonnenaufgang auf den Beinen. Und da wir am Abend doch immer irgendwie hängen bleiben, begleitet uns bald treu ein chronisches Schlafmanko.

Und dann passierts! Bei schweisstreibenden 44 Grad, 96 Kilometer nach Georgetown und 10 Kilometer vor unserem Tagesziel macht es plötzlich „Päng!“ Ich denke mir: Das kann doch wohl nicht…? Das klang doch verdammt nach…?! Ein Speichenbruch?!??

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Gebrochene Speichen fürchten wir wie der Teufel das Weihwasser: Seit unserer Odyssee in Laos stehen sie ganz oben auf unserer Pannen-Hassliste. Nachdem wir am Abend sämtliche Veloläden der Ortschaft abgeklappert haben, wissen wir, dass in Malaysia fleissig billige chinesische Velos verkauft werden, sie danach aber keiner reparieren kann (Tipp für auswanderungswillige Velomechaniker!). So setzt Christian am Abend im Hotelzimmer halt selber eine neue Speiche ein und versucht mit zwei Kabelbindern als Zentrierhilfe, mein Rad rudimentär auszurichten. Ewig gebührt ihm Ruhm im Radlerolymp! Wäre da nicht dieses klitzekleine Detail…

…denn am Tag danach, 30 Kilometer später, macht es hinter mir laut „Päng!“. Ich erstarre innerlich zur Salzsäule und bete, dass es nur ein besonders lautes Knacken im Ohr gewesen sein möge. So viel Pech kann ja gar nicht sein, oder? Wir begutachten schweigend die gerissene Speiche an Christians Hinterrad und schauen uns fassungslos an: Nach 14’000 Kilometern reissen innerhalb von einem Tag Speichen an beiden unserer Hinterräder? Und erst noch in der Mitte, was technisch gar nie passieren sollte? So etwas kann doch kein Zufall sein!

Da Christians Rad noch einigermassen rund läuft und wir die Bremse nicht aushängen müssen, fahren wir konsterniert weiter. Wird ja wohl noch halten! Richtig. Doch leider nicht lange. Erneut 10 Kilometer vor Tagesziel macht es an seinem Hinterrad „Päng!“. Das war dann Speiche Nummer 3!

Am Strassenrand versuchen wir, das doppelte Speichendesaster zu beheben. Derweil kommt im Auto ein netter Malaie angefahren, der mit grossem Interesse unsere Flickaktion verfolgt. Er stärkt uns mit einem frisch gepflückten Pomelo, steckt uns wenig später eine Büchse chinesischer Neujahrskekse zu, lädt uns zu einer Besichtigung seiner Entenfarm ein und versorgt uns noch mit einer kalten Kokosnuss. Goldig!

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Fast hätten wir diesen netten Herrn zur Begegnung des Tages gekürt, wäre da nicht dieser englische Tourenradler gewesen, der während unserer Reparaturaktion vorbeifährt und uns zuruft: „Are you British?“ Nach unserem überraschten „No“ fährt er zackig weiter. Noch goldiger!

Die zwei Speichen von Christian sind inzwischen repariert, doch ist es nun Nachmittag geworden und erneut brütend heiss. Obwohl der nette Malaie nochmals auf der Besichtigung seiner Entenfarm besteht, wollen wir nur noch eines: Ab ins Hotel. Doch wiederum haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Nur wenige hundert Meter vor dem Ziel macht es nun in meinem Hinterrad Päng!“ Verzweiflung steht in unseren Augen. Speiche Nummer 4! Was um alles in der Welt geht hier vor?!?

Gezwungenermassen legen wir in Ipoh einen Ruhetag ein, um einen Velomechaniker zu finden, der unsere Räder ordentlich zentrieren kann. Obwohl sämtliche Fakten dagegen sprechen, hoffen wir heimlich immer noch, dass es sich bloss um einen ganz komischen Zufall handelt und diese Speichenreisserei endlich ein Ende nimmt. Anstatt uns wie geplant auf die Routenwahl für Neuseeland konzentrieren zu können, flicken wir jeden Abend erschöpft und verzweifelt eine kaputte Speiche, und das zerrt an den Nerven. In Ipoh finden wir dank Internet tatsächlich einen Chinesen, der Velos nicht nur verkauft, sondern auch repariert, und fahren mit neu zentrierten Rädern am nächsten Tag guten Mutes los. Alles läuft rund, Kilometer um Kilometer zieht an uns vorbei und 10 Kilometer vor dem nächsten Tagesziel fange ich innerlich schon an zu frohlocken: Vielleicht schaffen wir es heute ja ohne… „Päng!“ Mit der fünften gebrochenen Speiche zerplatzen innert Sekunden all unsere Hoffnungen.

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So sieht der malaiische Traum aus: Amerikanische Spanplatten-Villen und Shopping als Lieblingshobby

Es lässt sich nicht mehr wegleugnen und weghoffen: Wir haben ein ernsthaftes Problem. Fünf Speichen sind gebrochen, weitere fünf haben wir noch. Dann ist Schluss. Wir steigen ab und betrachten einmal mehr das Übel. Da Malaien grundsätzlich nette Menschen sind, kommen scheu ein paar Jungs auf uns zu. Ob wir ein Problem hätten? Als wir ihnen die Situation erklären, breitet sich betroffenes Schweigen aus. Um die ratlose Stille zu füllen, fragt schliesslich einer ganz hoffnungsfroh: „Do you have friends in Malaysia…?“ Wir müssen laut lachen: Klar, einer unserer vielen malaysischen Freunde wird gleich mit seinem Proton auftauchen und uns aus der Misere helfen!

Sowieso sind die Begegnungen mit Malaien zuweilen reif für die Komödie. Als wir eines Nachmittags mitten in einem Kaff neben vielen Klapperkisten im Stau (!) stehen, hupt es neben mir frenetisch. Ein junger Mann kurbelt begeistert das Autofenster herunter, reisst seine Sonnenbrille vom Gesicht und ruft mir erwartungsfroh zu: „Do you remember me?!“ Mein Hirn fängt an zu rotieren. Hat er uns bei einem Speichenbruch geholfen? Den Weg gewiesen? Oder war es jener, der uns zwei Mandarinen schenkte? Mist, keine Ahnung! Doch, doch, ruft er ganz enttäuscht: Er habe uns doch vor ein paar Kilometern hinter der getönten Autoscheibe hervor zugewinkt! Oh! Wie konnten wir ihn nur vergessen: Winker Nummer 1287!

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Dank feucht-tropischem Klima wird selbst Herr Baum zum Vermieter

Wie immer mit gebrochener Speiche treffen wir in Teluk Intan ein, dem malaysischen Pisa inklusive schiefem Turm. An diesem Abend beschliessen wir, uns weitere touristische Highlights wie die bekannten Teeplantagen der Cameron Highlands ans Bein zu streichen, und so schnell wie möglich nach Kuala Lumpur zu fahren. Damit wir im Notfall unsere maroden Räder einpacken und in einen Zug steigen können, fahren wir einen Umweg in Richtung Zugslinie. Über jede Delle, jedes Schlagloch fahren wir mittlerweile so, als hätten wir anstatt Kleidern rohe Eier im Gepäck, und bei jedem scheuen Rumpeln verziehen wir schmerzverzerrt das Gesicht. Es fühlt sich an wie eine tickende Zeitbombe spazierenzufahren: Man weiss, dass sie in die Luft geht, aber nicht, wann. Und prompt: Als es zum sechsten und siebten Mal „Päng!“ macht, ist für uns klar: Die restlichen 100 Kilometer nach Kuala Lumpur verbringen wir im Zug.

Der Intercity will uns und unsere kaputten Gäule nicht mitnehmen, deshalb gondeln wir in der lokalen S-Bahn gemütlich und eisgekühlt in die Millionenmetropole. Und dann beginnt das grosse Recherchieren. Doch das Ergebnis ist ernüchternd: Fast scheint es so, als wären wir das erste Mal auf unserer grossen Reise tatsächlich gestrandet. Wegen unserer Rohloffnabe haben wir eine spezielle Speichenlänge, die offenbar in ganz Südostasien nicht erhältlich ist. Von Bangkok über Kuala Lumpur bis Singapur, ja gar Sydney, Auckland und Christchurch schreiben wir sämtliche möglichen Händler an. Durch einen anderen Reiseblog erfahren wir schlussendlich von einem Veloladen in Kuala Lumpur – Akmal. Als Akmal auf unser E-Mail zurückschreibt, dass seine Speichen-Schneidmaschine die Lösung all unserer Probleme sei, ist die Erleichterung riesig. Zwar ist sein Veloshop eine halbe Stunde Zugsfahrt und 10 Minuten Fussmarsch vom Stadtzentrum entfernt, doch gerne tragen wir unter erstaunten Blicken der Einheimischen unsere Hinterräder durch die ganze Stadt. Auf den ersten Blick wirkt alles perfekt: Akmal hat professionelle Tools, kann Speichen zuschneiden und behauptet, er sei der einzige in Malaysia, der ernsthaft Räder einspeichen kann. Heureka, wir sind am richtigen Ort!

Als Akmal sich auf unsere Nachfragen plötzlich nicht mehr meldet, uns nicht wie versprochen auf dem Laufenden hält und wir langsam, aber sicher genug vom Sightseeing haben, machen wir Druck. Wer Zeit hat, alle paar Stunden Kommentare und Bilder auf Facebook zu posten, sollte in drei Tagen auch zwei Räder neu einspeichen können. In der Nacht vor unserer Abfahrt kommt Akmal um halb drei Uhr morgens mit dem Auto eines Kollegen angefahren, drückt Christian unsere beiden Räder in die Hand, kassiert seine 120 Franken und braust wieder von dannen. Leider bemerken wirs erst Minuten später: Der selbsternannte Radbauprofi von Malaysia hat unsere Räder komplett verkehrt eingespeicht. In diesem Moment reisst „Päng!“ in unserem Hotelzimmer ausnahmsweise mal etwas ganz anderes: Der Geduldsfaden!

Am Ende des Kontinents

Kuala Lumpur. Eine faszinierende Stadt, gewiss. Doch ein Horror für Fussgänger. Trottoirs? Nicht existent. Zebrastreifen? Nie gehört! Eine Ampel, bei der auch Fussgänger mal grün kriegen? Haha! Wir haben zuweilen stundenlang an gigantischen Kreuzungen auf grünes Licht gewartet, und dann beschlossen, nach dem Motto lieber „tot“ als „not“ über die Strasse zu rennen, in wilder Illegalität. Noch schlimmer wird es, wenn man im Rollstuhl sitzt. Rampen, Lifte, Orientierungshilfen? Wer braucht das schon! Wie also kommt ein alter Mann mit lahmem Bein auf die andere Seite des Highways? Mit Bestürzung haben wir einer Szene beigewohnt, bei der sich ein Mann auf Krücken im Zeitlupentempo die 50 Stufen einer Strassenüberführung hinaufkämpfte, während ihn ein Begleiter stützte und ein anderer den Rollstuhl trug. In Kuala Lumpur fährt man Auto oder gar nichts. Basta.

Auch stadtplanerisch liegt noch so einiges im Argen. Also alles, eigentlich. Die Hochhäuser wirken wie von Allah aus dem Hubschrauber abgeworfen: Hier, da habt ihr einen! Und hoppla, da noch einen! Man hat das Gefühl, hier spriesst alles wild aus dem Boden, wie die Pilze im Herbstwald. So wie es will und wo es will. Einzig die Petronas Towers ragen edel und in stiller Erhabenheit in den wolkenlosen Himmel.

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Zeitsprung. Es ist morgens um 6:30 Uhr. Im Hotelzimmer ist es dank fehlenden Fenstern noch herrlich dunkel. Das schrille Schreien des Weckers reisst uns nach vier Stunden Schlaf in die Wirklichkeit zurück. Da war doch Akmal. Und die Speichen. Und ein Flug nach Neuseeland, der uns zur Eile zwingt. Wir quälen uns aus den Federn und setzen uns erneut bei Morgendämmerung in Bewegung. Unter uns knacken bedrohlich die falsch eingespeichten Räder. Noch wirken die gigantischen Autobahnen verwaist, noch rollen sie nicht, die Blechlawinen. Mangels Zeit und besseren Optionen haben wir beschlossen, das Risiko einer Weiterfahrt nach Singapur zu wagen.

Kuala Lumpur mit dem Velo zu betreten und wieder zu verlassen sei so gut wie Selbstmord, meint die Radlergemeinschaft. Es fehlen die verwinkelten Gässlein, die lauschigen Nebenstrassen. Alles, was es gibt, sind sechsspurige Schnellstrassen ohne ernstzunehmende Seitenstreifen. Nach 40 überlebten Kilometern biegen wir vom Highway ab in Richtung Putrajaya. Die erst 1995 aus dem Boden gestampfte Planstadt ist das Verwaltungszentrum des Landes. Ein Abstecher, der sich lohnt! Wie einst im turkmenischen Ashgabat befällt uns ein wohliges Gruseln und wir fühlen uns wie Besucher einer gigantischen Filmkulisse: Überdimensionierte, leere Wohnblocks stehen an künstlich angelegten Seen. Moscheen für zehntausende von Gläubigen ragen verwaist in den Himmel und blutleere Verwaltungsgebäude rosten vor sich hin. Breite Boulevards, schnittige Wolkenkratzer, opulente Brücken, all das wirkt auf uns so surreal wie virtuelle Realität. Kein fröhlicher Strassenhändler bietet Waren feil, kein Laden, in dem es zu Essen oder Trinken gäbe und an jeder Ecke öffentliche Toiletten, wo mangels Pflege die Fäkalien ein Eigenleben führen. Zwar gefallen uns diese Begegnungen der anderen Art, dennoch sind wir froh, dass wir nach ein paar Kilometern wieder auf die richtige Welt treffen. Das jaya im Namen bedeutet übrigens „Erfolg“ oder „Perfektion“.

Nach einem ziemlich ereignislosen Geradel südwärts kommen wir endlich wieder an die Küste. Von Port Dickson, „a popular beach destination“, hatten wir uns irgendwie mehr versprochen. Der Strand ist hässlich, das Meer seicht, die Anflugschneise nah, eine 20-stöckige Bauruine, alles hübsch umrahmt von weitverzweigten rostroten Pipelines. Der darauf folgende Küstenabschnitt ist trotzdem das fast schönste Stück Natur Westmalaysias. Goldgelbe Strände säumen smaragdgrünes Wasser, am Horizont tuckern schwer beladene Frachtschiffe durch die Strasse von Melaka, und wären wir nicht in Zeitnot, hätten wir gerne noch einen Tag verweilt. Obwohl, irgendwie auch nicht: Gebadet wird hier in der schwarzen Vollburka – relaxtes Strandleben stellt man sich anders vor!

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Hübsch, aber fast etwas überrenoviert – Melaka

90 schweissgetränkte Kilometer weiter südlich wartet eine weitere Weltkulturerbestadt: Melaka. Wir quartieren uns in ein sympathisches chinesisches Hostel ein und verbringen drei herrliche Tage mit Putzen. Ein Besuch auf der neuseeländischen Immigrationswebseite hat uns gehörig Respekt eingeflösst. Kein Stäubchen, kein Körnchen Dreck, keine Esswaren, kein gar nichts darf das ferne Land besudeln. Wir trimmen unsere Taschen, das Zelt, die Schuhe und unsere Campingausrüstung auf Hochglanz. Zum Glück brennt noch immer die Sonne bei geschätzten 50 Grad. Sobald wir unsere tropfnassen Sachen aufhängen, verdampft die Feuchtigkeit innert Sekunden. Immerhin.

Die knapp 300 Kilometer von Melaka bis Singapur sind pure Tristesse. Erstmals seit China wird das Fahrrad wieder zum reinen Fortbewegungsmittel. Nichts als gähnende Langeweile trifft auf die Netzhaut. Wäre die ganze Strecke von Zürich bis Singapur so gewesen, wir wären schon nach zwei Wochen wieder umgekehrt. Dass Malaien ein eher eigenartiges Verständnis von „Freizeit“ und „Spass“ haben, trägt nicht gerade zur Partystimmung bei…

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Der Supermarkt als Lieblingsdestination

Und dann trifft Chaos auf Ordnung. Larifari auf Gesetz. Müll auf perfekte Sauberkeit. Willkommen in der Republik Singapur! Zusammen mit Hunderten von Motorrollern fahren wir auf einer eigenen Spur zum Zoll. Während wir länglich die Einreiseformulare ausfüllen, warten Dutzende von Motorradfahrern geduldig hinter uns, kein Murren ist zu hören. Asiatische Geduld! Und dann sind wir *schwupps* in einer anderen Welt. Zu Fuss die Strasse überqueren? Kommt nicht in Frage! Müll aus dem Autofenster werfen? Bei Strafe verboten! Verbotsschilder, wohin das Auge reicht, und alles ist piekfein aufgeräumt. Auch wir getrauen uns nicht mehr, Rotlichter zu missachten, Einbahnstrassen verkehrt zu befahren, und – Gnade dir Gott – das Trottoir zu benutzen. Denn Singapur trägt aus gutem Grund den zweideutigen Titel „The Fine City“. Folgendes frevelhaftes Benehmen soll happige Geldstrafen nach sich ziehen:

– Einfuhr von Kaugummi (ups)
– Essen und Trinken in öffentlichen Verkehrsmitteln
– Überqueren der Strasse ohne Zebrastreifen
– Graffiti malen
– Müll wegwerfen
– Zerstören von Pflanzen
– Pornografie
– negative Äusserungen über die Regierung
– das Aufstellen einer Satellitenschüssel
– Lügen
– Spucken (yeah!)

Und was ist eigentlich mit unseren Speichen? Obwohl sich unsere Hinterräder komisch weich anfühlen und die Speichen auf den ersten Metern bedrohlich geknackt haben, hat bis jetzt alles gehalten. Viele E-Mails von Europa bis Australien haben uns mit Tipps und Spekulationen zu unseren mysteriösen Pannen erreicht – vielen Dank! Auch wir haben natürlich spekuliert: War es Sabotage? Eine agressive Chemikalie? Ein Materialfehler? Erst hören wir nur gerüchteweise, was danach von unserem Velohändler in Bern bestätigt wird: Beim Qualitätsspeichen-Hersteller Sapim gab es offenbar eine fehlerhafte Charge. Einen offiziellen Rückruf gab es jedoch nie. Und die Firma Sapim hat bis heute auf keines unserer E-Mails reagiert. Schon wieder etwas fürs Leben gelernt: Sapim-Speichen – leider nein!

Dank unseren extensiven Recherchen in Kuala Lumpur finden wir in Singapur einen Velomechaniker, der etwas von der Sache versteht. Auf dem Weg zu unseren Couchsurfing-Gastgebern schauen wir kurz bei ihm vorbei. Ohne zu wissen, auf was wir eigentlich hinaus wollen, wirft Walton von Attitude Bikes einen flüchtigen Blick auf die Räder und stellt sofort die Diagnose: Falsch eingespeicht. Nach Neuseeland damit? Nie im Leben! Walton reserviert sich am nächsten Tag extra ein paar Stunden, um sich um uns zu kümmern. Nicht nur müssen die Räder nochmals komplett neu eingespeicht werden, auch die taiwanesischen Speichen selbst sind offenbar nichts wert. Zwei Tage später halten wir einmal mehr zwei komplett neu gebaute Räder in den Händen. Blitzeblank geputzt und gratis die flickversetzten Schläuche ersetzt. 135 neue Speichen in 16 Tagen, das muss uns erst mal einer nachmachen. 😉

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Go with the flow – bei der Einreise nach Singapur sind wir nicht ganz allein

Unsere drei letzten Tage auf dem asiatischen Kontinent werden zu einem der unerwarteten Highlights dieser Reise. Von unseren Gastgebern Ivy und Martin werden wir nach Strich und Faden verwöhnt und ihre selbstrenovierte Apartment-Loft ist ein absoluter Traum. In ihrer stilvollen Küche werden wir italienisch und thailändisch bekocht, zum Inder und zum Malaien ausgeführt, wir feiern mit ihnen unseren ersten Geocaching-Erfolg, nippen am besten Kaffee seit Italien, plaudern bis tief in die Nacht, wandeln durch Singapurs bizarren Botanischen Garten, schauen dem Schweizer Alinghi-Team beim Segeln zu, putzen, zerlegen und verpacken unser Material und werden kurz vor Mitternacht mit unseren Velokartons auf dem Dach (sicherlich höchst illegal) von Ivy und Martin an den Flughafen gebracht. Obwohl wir sie nur kurze Zeit kennen, fühlt es sich an wie zu Besuch bei alten Freunden. Was für ein wunderbarer Abschied von Asien!