Hallo Slowenen, wo seid ihr?

Manchmal wird die Not zur Tugend. So geschehen Anfang Woche II in Trento, wo wir regenbedingt eine Zwangspause einlegen: Beim näheren Hinsehen entpuppt sich die Stadt als kleine Perle (trotz strömendem Regen!). Burg, Fresken, Cafés, alles da!

Am Morgen danach ist wieder Sonne angekündigt, und die wollen wir nutzen, um über einen weder kleinen noch feinen, sondern ziemlich steilen Aufstieg zum Caldonazzosee zu gelangen und danach die Alpen definitiv hinter uns zu lassen. Die Laune ist super, die Sonne strahlt, und fast schon ist man versucht, den Pulli abzuziehen. Die Veloroute in der Valsugana ist wunderschön und führt nach einer kleinen Picknickpause am See ins pittoreske Borgo. Das Wetterradar-App von Meteoschweiz ist uns (zumindest noch bis ins Friaul) ein absolut zuverlässiger Begleiter in Sachen Regen. Und so strampeln wir, was das Zeug hält, denn wir wissen, am frühen Abend wirds nass. Und so ist es: Immer wenige Kilometer hinter uns marschiert die graue Regenwand, was unseren Waden noch zusätzliche Energie verleiht. 🙂

Irgendwann ist der Regen schneller als wir, und wir kapitulieren. Ganz gelegen kommt ein hübsches B&B irgendwo in der Pampa. Da wir die einzigen Gäste sind, haben wir das ganze Haus für uns. Die nette Besitzerin heizt den Holzofen ein und wir verbringen gemütliche Stunden mit selbstgemachtem Puré al Merkén (für Nicht-Chilenen: Kartoffelstock mit scharfem Chili). Danke der chilenischen Sponsorin.

Am nächsten Tag gibts eine kurze Stippvisite in Bassano del Grappa. Auf der (offenbar bekannten) antiken Holzbrücke steht halb Italien und trinkt Ramazzotti. Ein Osterbrauch?? Mehr erstaunt hat uns der Konzertpianist samt Flügel…

Auch der Tag darauf beginnt sonnig und harmlos. Obwohl erst 15 Kilometer von der letzten Übernachtung weg, lassen wir uns in der Altstadt von Pordenone zu einer Rast hinreissen. Nur schon wegen der überaus freundlichen Stadtbevölkerung (voted friendliest in north italy!). Sie zeigen uns unaufgefordert den Weg, sprechen uns an und plötzlich taucht aus dem Nichts ein junger Mann auf und erklärt uns die Pordenoner Sehenswürdigkeiten. Der Rest der Strecke jedoch ist wüstes Gemetzel. Der leichte Gegenwind artet in sturmarige Böen aus und wir schaffen es nur noch mit letzter Kraft in die mittelalterliche Planstadt Palmanova.

Und dann kommt…

…die Grenze!

Guten Mutes und voller Motivation starten wir zeitig in Triest, um den Husarenritt Italien-Slowenien-Kroatien zu schaffen. Nicht nur, damit die 80 Kilometer und 1270 Höhenmeter (!) hinter uns liegen, sondern weil wir beim Kartenstudium herausgefunden haben: In Slowenien gibt es keine Hotels. Vor Ort stellen wir fest: Es ist schlimmer! Es gibt in Slowenien auch so gut wie keine Slowenen. Vereinzelt erspähen wir ein Exemplar in einem Rebberg, ansonsten ist das Land leer. Nichts, nada, niente! Nicht mal ein Vorzeigebär.

Das Highlight unserer kurzen Slowenienreise jedoch ist die Aus-Reise. Da wir die wenig befahrene Bergroute nehmen, fahren wir über die grüne Grenze. Meinen wir. Bis wir plötzlich vor einer Schranke stehen. Aus dem Häuschen herausgeflitzt kommt ein uniformierter Mensch, den wir wegen peinlichem Schweigen beiderseits (wir denken: „Oh, ein Slowene!“ Er denkt: „Oh, Touristen!“) spontan fragen, ob er Englisch kann. Er lacht schallend und fragt, ob wir Slowenisch können. Die Fronten sind damit geklärt. Immerhin ist das unsere erste richtige Grenze, und so fragen wir pflichtbewusst, ob er unsere Pässe sehen möchte (natürlich auf Slowenisch ;-)). Der Grenzbeamte lacht erneut schallend. Vermutlich hat bei der Ausreise noch keiner freiwillig den Pass gezeigt. Als wir ihm erzählen, dass die Reise nach China geht, ist das Eis definitiv gebrochen. Wir erhalten zum Abschied einen kleinen Slowenischkurs (leider alles vergessen) und sind jetzt Freunde fürs Leben:

DSC00363

P.S. 300 Meter später kommen wir an die kroatische Grenze. Hier ist fertig lustig. Der Zöllner versteht den Grund unserer Heiterkeit nicht, als er unsere Pässe sehen will. Trotzdem lehrt er uns die ersten Kroatisch-Brocken: Dober dan! Hvala! – Wala!

Breaking News: Zurück nach Europa

Da sitzen wir nun! Unsere Fahrräder liegen verstaut im Bauch einer Qatar-Maschine in Doha. Zwei lange Flüge von Sydney und Singapur haben wir bereits hinter uns. Auf der eingeblendeten Weltkarte im Flugzeug wird uns so richtig bewusst, wie weit weg von Zuhause wir eben noch waren. Und nun nehmen wir erstaunlich gelassen einen weiteren Meilenstein unserer Reise in Angriff: Die Heimkehr.

Unsere Räder haben seit Singapur weitere 2100 Kilometer auf dem Zähler, von denen wir euch noch gar nichts erzählt haben. Es sind Geschichten von bitterkalten Alpenquerungen, von unbarmherzigem Wind, von halsbrecherischen Lastwagenfahrern, von Hunger, Wirbelstürmen und einem Happy End. 🙂

Über unsere Zeit in Neuseeland werden wir natürlich bald berichten. Doch vorher heisst es: „Ladies and Gentlemen, please fasten your seatbelts! We will shortly be landing in…“

„Rome!“

Von hier aus legen wir bis Anfang Mai eine kleine, aber feine Pizza-Vino-Cappuccino-Spur zurück nach Norden und erhalten in Florenz unseren wohl letzten Besuch.

Wir freuen uns!