Der schamlose Veloklau

Lest ihr eigentlich noch mit? Nicht? Das dachten wir uns. Ihr habt uns aufgegeben. Abgeschrieben. Als bloggende Radler, versteht sich. Jetzt, wo uns keine Riesenkobras mehr verschlingen, ist der Spannungsfaktor um einiges reduziert. Das verstehen wir.

Obwohl: Es ist uns nun schon einige Male zu Ohren gekommen, dass da draussen noch einige sind, die mit Wonne auf Fortsetzung warten. Das motiviert uns natürlich. Denn noch ist diese Geschichte nicht zu Ende erzählt.

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Wir sind in Florenz. Also, eigentlich sind wir noch nicht ganz in Florenz. Denn als wir unsere Räder über den Platz vor dem Dom rollen lassen, macht es in Christians Hinterrad zum sechsten Mal auf dieser Reise „pfffft“. Weg ist die Luft. Und da wir nach so vielen tausend Kilometern schlicht und einfach zu faul sind, um inmitten der Touristenströme das Werkzeug auszupacken und uns dabei einmal mehr von Chinesen fotografieren zu lassen, schieben wir das Fahrgestell die restlichen Meter bis ins Hotel übers Kopfsteinpflaster. Ist jetzt auch egal.

Und dann kommt der grosse Moment. Wir klingeln an der Haustüre ihres Bed & Breakfasts und halten kurz darauf Daniela und Karin in den Armen. Wie haben wir uns gefreut! Gleichzeitig klingt aber auch eine traurige Saite in unseren Herzen an. Denn mit diesem letzten Besuch aus der Schweiz ist es langsam nur noch schwer zu leugnen: Unsere grosse Reise nähert sich dramatisch schnell dem Ende.

Vieles haben wir uns zu erzählen. Und die Wiedersehensfreude überdeckt unseren Schock ob den Menschenmassen, die sich hier an Ostern über die Stadt ergiessen. Wir beschliessen deshalb, Florenz am nächsten Tag auf nun vier Rädern in Richtung Lucca zu verlassen.

Firenze 1

Die Umstellung vom Zweier- auf den Viererkonvoi bereitet mir zunächst einige Probleme. Plötzlich wird die Routenwahl zum demokratischen Ereignis (zum Glück ohne Referendum und Initiativen), zu viert ist es gleichzeitig aber auch viel lustiger. Unsere relaxte Reiseweise irritiert zunächst unsere beiden neuen Mitradlerinnen. Zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit schlagen wir ein Päuschen vor. Dabei hatten sich Daniela und Karin innerlich auf Kampf eingestellt. Dachten, sie müssten sich die Beine in den Bauch strampeln, um uns ab und zu überhaupt noch von hinten zu sehen. Das Gegenteil ist der Fall. Wir Weltradler sind auf gemütlich getrimmt. Während wir wie kleine Kinder jedem Kaffee, jeder Snackbude enttäuscht nachschauen, sind die beiden Damen jeweils schon weit vor uns. Hallo, bitte warten! So schnell wollen wir nicht zurück!

Am Abend des ersten gemeinsamen Radeltages finden wir im Herzen von Lucca ein hübsches Hotel. Einziger Wermutstropfen: Wegen der frisch renovierten Lobby will der Besitzer, dass wir unsere Velos bis am Abend draussen anbinden. Christian beschleicht schon da ein ungutes Gefühl. Hätte er doch nur etwas gesagt…

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Diesen Moment werden wir wohl nie vergessen. Als wir gutgelaunt vom Abendessen zurückkommen und nichtsahnend in unsere Gasse biegen, erstarrt Christian zur Salzsäule. Eins, zwei, drei… Wir folgen seinem entsetzten Blick und augenblicklich gefriert auch uns das Blut in den Adern: Es stehen nur noch drei Fahrräder vor dem Hotel. Um Himmels Willen! Es ist mir, wie wenn die ganze Welt in ein Loch verschwinden würde. Mehr als ein Jahr lang war es die Horrorvorstellung, dass eines unserer Räder wegkommt. Und nun ist es passiert. Das Herz rutscht in die Hose, mir wird schlecht. Denn nicht wir sind die Opfer, viel schlimmer: Karins Velo ist spurlos verschwunden!

Wir sind dermassen geschockt, dass wir kaum sprechen können. Just in diesem Moment biegt ein Polizeiauto in unsere Gasse ein. Wir stoppen die Herren und erzählen, was uns gerade widerfahren ist. Sofort erwacht der italienische Staatsapparat, kurz kommt Hektik auf. Der Rezeptionist wird interviewt. Namen, Nummern und Daten werden aufgenommen. Ja, man werde nun gleich eine Runde drehen und nach dem gestohlenen Fahrzeug fahnden. Der kurze Hoffnungsschimmer, der aufflackert, verpufft im Nichts. Vermutlich werden die Poliziotti in der Bar ums Eck beim Ramazzotti versumpfen. Man kennt ja Italien.

Am nächsten Morgen stehen wir pünktlich zur Öffnungszeit vor dem Commissariato von Lucca. Doch da ist das Interesse an vier aufgelösten Schweizerbürgern gering. Gelangweilt lässt man uns im Warteraum sitzen, bewirft uns beim polizeilichen Rauchen mit spöttisch-amüsierten Blicken und schiebt uns dann endlich ein Schadensformular zu. Ein zweiter aufgelöster Zeitgenosse folgt. Ein Italiener. Auch ihm wurde diese Nacht ein teures Velo geklaut.

Und was jetzt? Sollen wir alles abbrechen und gemeinsam mit dem Zug in die Schweiz fahren? Christian und ich haben absolut keine Lust mehr, unsere Reise fortzusetzen. Es erscheint uns völlig sinnlos. Zum guten Glück können uns Daniela und Karin vom Gegenteil überzeugen. Überhaupt reagieren die beiden mit absolut bewundernswerter Besonnenheit. Und wer die beiden kennt, weiss, dass sie so schnell nicht aufgeben. Vier Personen und nur drei Räder – was tut der geneigte Pfadfinder?

Genau. Er kauft sich eines dazu.

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Da stehen sie, mit dem neuen, heissen Schlitten

Wir machen nun also Bekanntschaft mit der Velohändlerszene von Lucca. Viel brauchbares ist allerdings nicht da. Zuerst will man uns ein gebrauchtes Touristenvelo andrehen: Ein Klappermodell mit Körbchen, mit dem die Japaner ihre Runden drehten. Kommt überhaupt nicht in Frage! Beim dritten Velohändler will es dann klappen. Kein Modell, mit dem es den Giro d’Italia zu gewinnen gäbe, klar, doch ein anständiges Billigvelo mit zwei Rädern, einem Sattel und einer lauten Klingel. Was will man mehr? Flugs werden Karins Vordertaschen auf unsere Gepäckträger verteilt. Und haben wir wenige Stunden zuvor noch daran gedacht, unsere Reise vorzeitig zu beenden, sind wir Momente später wieder on the road. Vier Schweizer, vier Räder. Auf in den Norden!

La meravigliosa Umbria

Von Sydney über Singapur und Doha nach Rom mit nur zwei kurzen Umsteigestopps: Dies mag für den vielbeschäftigten Geschäftsreisenden Business as usual sein, für den Gelegenheitstouristen eine stressige Ausnahmesituation – für den Veloweitreisenden aber ist es schlicht ein Schock. Sind wir uns überschaubare Distanzen und das langsame Herantasten an neue Länder, Leute und kulturelle Begebenheiten gewohnt, werden wir in nur 26 Stunden zurück nach Europa katapultiert. In weiser Voraussicht haben wir uns für einen kleinen Schlenker auf dem italienischen Stiefel entschieden. So können wir uns sachte an die Heimat herantasten und vermeiden die freundlichen Schweizer Zöllner am Zurich Airport, die uns mit einem breiten Grüezi willkommen heissen. Und nicht zuletzt lassen wir damit eine kleine Träumerei aus der Anfangszeit unserer Reise wahr werden: „Eigentlich sollten wir unsere Route anpassen und eben doch erst einen Giro d’Italia machen…“

Frühmorgens kurz vor 7 Uhr landet unsere Qatar-Maschine in Roma-Fiumicino und steuert auf das vorgesehene Gate zu. Ein paar Meter davor ist allerdings Schluss. Wie üblich ist das Publikum beim Anblick des Flughafengebäudes schon aus den Sitzen gesprungen, um im Gepäckfach fiebrig nach seinen persönlichen Utensilien zu fischen. Doch nichts geht, mürrisch werden die Plätze wieder eingenommen. Nach einer halben Ewigkeit meldet sich der Pilot leicht entnervt. Man könne die finale Standposition leider nicht einnehmen, weil sich niemand für uns zuständig fühle. Man hört den Sarkasmus förmlich durch den Bordlautsprecher triefen. Da sitzen wir also weitere 10 Minuten, währenddessen das Bodenpersonal vermutlich gemütlich einen Caffè trinkt und die Gazzetta dello Sport durchblättert. Schliesslich sind wir verspätet, auf uns hat hier also keiner gewartet. Erneut meldet sich der Pilot, mittlerweile sichtlich verärgert: Unsere Maschine müsse nun mangels willigem Abfertigungspersonal am Dock an einen Standplatz etwas ausserhalb fahren. Immerhin fährt nach diesem Manöver ein Bus vor, um uns zur Gepäckausgabe zu bringen – wir hatten uns bereits auf einen Fussmarsch eingestellt. Für das Privileg eines Gepäckwagens wird dann auch noch eine Gebühr fällig: 2 Euro, zahlbar in kleinen Münzen. Das ist Italien!

Was für ein Kontrast: Eben noch waren wir im fernen Asien, wo der Aufbruch vielerorts fast mit Händen zu greifen ist. Wo Dutzende, ja Hunderte Millionen Menschen hart daran arbeiten, in einen – wenn auch bescheidenen – Mittelstand aufzusteigen. Nun stehen wir vor den Toren Südeuropas, wo es sichtlich gemächlicher hergeht. Fast scheint es, als hätte man es sich in der jahrelangen Krise gemütlich gemacht. Konsum ja, aber bitte nicht dafür arbeiten. Und spätestens Mitte Fünfzig dann die volle Rente erhalten. Auch das ist Italien.

Wir schrauben frohgemut unsere Räder zusammen und kurz darauf geht es los in die seltsam vertraut wirkende Landschaft. Vom Jetlag spüren wir wenig, und so lassen wir Rom rechts liegen und radeln bei herrlichstem Frühlingswetter gleich nordwärts zum Lago di Bracciano, wo wir einen praktisch leeren, verträumten Zeltplatz direkt am See finden. Und wen treffen wir nach dem kühlen Bade gleich neben unserem Zelt an? Ueli und Rita aus der Schweiz, die mit ihrem Landcruiser schon durch die entlegensten Regionen dieser Welt gekurvt sind und sich gerade auf ihre baldige Südamerika-Reise vorbereiten. Klein ist die Welt der Weltreisenden.

Noch am selben Abend bestätigt sich ein weiteres Italien-Klischee. Als wir am Strassenrand kurz anhalten, um uns zu orientieren, fällt uns eine betagte Dame auf: Heftig mit den Armen rudernd und aus ihrem Fiat-Fenster palavernd. Ausser Italienisch liegt bei ihr natürlich keine andere Sprache drin. Wir entnehmen ihrem Wortschwall, dass der Motor wohl streikt, und wir jetzt bitteschön ihre alte Rostlaube anschieben sollen. Machen wir natürlich gerne. Seit der Türkei mussten wir keinem verzweifelten Autolenker mehr den Wagen einen Berg hochstossen. Zeit, dass der zweiradfahrende Autofreund erneut zur Hilfe eilt!

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Nordwärts fahren wir durch die duftende Landschaft nach Umbrien. Die milde Frühlingssonne ist nach den Strapazen auf der Südhalbkugel eine wahre Wonne. Unser Weg ist gesäumt von wunderbar unbekannten, schmucken Städtchen, wo das Leben noch seinen uritalienischen Lauf nimmt. Wir nippen unseren vormittäglichen Caffè gemeinsam mit dem adrett uniformierten Carabiniere auf der Plaza von Sutri, schauen den rauchenden Signore in Vignanello beim Strassenschach zu und treffen mit den wenigen Jugendlichen von Orte auf dem winzigen Kirchplatz zum Apéro ein. Viele dieser Städtchen, meist auf einer Erhebung hoch über dem Tal angelegt, verströmen noch heute einen Hauch der jahrtausendealten Geschichte, die oft weiter zurückgeht als bis zur Römerzeit. Alleen, gesäumt von unzähligen Zypressen und noch unzähligeren Schlaglöchern weisen uns jeweils den kurvigen Weg in die Hügel. Die spriessenden Reben überziehen ganze Landschaften mit einem saftiges Hellgrün. Wir radeln vorbei an herrschaftlichen Landhäusern, erhabenen Klöstern und verfallenen Palazzi.

Und nicht zu vergessen, was den wahren Charme Italiens ausmacht: Die Begegnungen. Ein kurzes Zvieri bei einem idyllisch gelegenen Kapuzinerkonvent wird zur ausgedehnten Konversation mit dem liebenswerten Rentner Martin, der sein Leben als Model verbracht hat und sich ob unserer Abenteuer kaum erholen kann. Er will uns gar nicht erst weiterfahren lassen und rät uns, möglichst bald nach Umbrien zurückzukehren. In Amelia spricht uns ein 70-jähriger Naturheilarzt an und erzählt gemütlich rauchend, wie er auf seinen ausgedehnten, monatelangen Wanderungen in fernen Landen jeweils einen Schirm auf den Rucksack bindet, damit die Autofahrer Abstand halten. In Todi atmen wir etruskische, umbrische und römische Geschichte und schlafen stilecht in historischen Gemächern aus dem 17. Jahrhundert. Am Lago Trasimeno bringen die Fischer im goldenen Abendlicht ihre Netze ein, während aus der fernen, schwarzen Silhouette der Stadt die Kirchenglocken erklingen.

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Umbrien gefällt uns ausserordentlich. Weit weniger touristisch als die überlaufene Toscana, die wir als nächstes ansteuern, bietet die Region alles, was man sich für eine Italienreise wünscht. Kurz vor der Einfahrt in unsere Lieblingsstadt Arezzo dreht Yvonnes Schaltgriff im Leeren. Nanu? Ein Blick genügt und wir wissen, dass das dünne Schaltkabel an der Rohloff-Nabe gerissen ist. Zehntausende von Gangwechseln hat es mitgemacht – keine schlechte Bilanz. Im Hof einer Autowerkstatt versuchen wir uns unter der stechenden Sonne erstmals im Auswechseln eines Schaltseil-Sets. Mit rauchenden Schädeln und etwas Schmierfett vom Garagisten klappts nach langem Herumpröbeln und wir schaffen es noch rechtzeitig in die Stadt. Hier legen wir einen Pausentag ein, bevor wir uns in Orte mit so klingenden Namen wie Siena oder Firenze aufmachen. Denn dort wartet ein letztes Mal Besuch auf uns!

Auf dem fünften Kontinent

Beim Anflug auf Downtown Sydney atmen wir ein erstes Mal erleichtert auf. Was auf unsere Netzhaut trifft, gefällt uns auf Anhieb. Eine herrlich schroffe Küste, urbaner Grossstadtdschungel, freundlicher Sonnenschein und Menschen, die man versteht! Wir hatten uns heimlich ja schon für etwas verrückt gehalten. Oder besser, zivilisationsentfremdet. Denn in Neuseeland hatten wir stets das Gefühl, wie zwei asoziale Marsmenschen durch die Gegend zu steuern und ständig irgendwo anzuecken.

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Zum Beispiel beim Lebensmitteleinkauf in einem 1000-Seelen-Dorf. Damit wir den Fussgängern den Weg nicht versperren, stellen wir unsere Räder ganz einfach in eine freie Parklücke. Ergibt Sinn, denken wir. Nicht der Neuseeländer. „You might wanna park your bikes somewhere else“, werden wir diplomatisch darauf hingewiesen, dass wir im autofreundlichen Neuseeland soeben eine Todsünde begangen haben. Also eigentlich hiess es ja: „Yümaitwinnapiakiübaikssümwiails“. Da ich den Mann nur entgeistert anstarre, ergänzt er – nun schon merklich peinlich berührt – dass eben jetzt die Rush-Hour beginne. Die Stosszeit für ‚Fish and Chips‘! Das ist jenes Gericht, das im Rohzustand Kartoffel und Fisch beinhaltet, und dann so lange im heissen Öl frittiert wird, bis auch der hinterletzte Maori an Gewichtsproblemen leidet. Und tatsächlich. Als wir unsere Räder schleunigst wegräumen, ist die Parklücke in Sekundenschnelle besetzt. Es ist eine Mutter mit zwei Kindern, die sich nach Feierabend zur Fish-and-Chips-Bude stürzt. Die Schlange vor dem Fastfood-Schuppen reicht mittlerweile schon bis aufs Trottoir hinaus. „The best in town“, sagt der Mann, der unsere entsetzten Blicke verfolgt und dem nun alles noch viel peinlicher ist. Er trollt sich schleunigst von dannen – wir ahnen es: an die Theke mit Frittiertem.

Ebenfalls wie unzivilisierte Barbaren fühlen wir uns auf der Zugfahrt, die uns von der Südspitze der Nordinsel ins Landesinnere bringt. Die einzige Zugsverbindung des Tages fährt um 19:30 los. Ideal also für ein Picknick im Zuge, denkt sich der Kluge. Brot u Chäs und ein Schlückli Weisswein, ja, der Abend ist perfekt. Bis der Kondukteur vorbeikommt, auf unserer Höhe zur Salzsäule erstarrt, die Weinflasche im Zeitlupentempo aus der Papiertüte zieht und uns mit ernster Mine mitteilt, dass wir hier illegal Wein tränken! Wir sind selbstverständlich entsetzt. Dass es verboten ist, eigenen Alkohol im Zug zu konsumieren, damit von der bordeigenen Bar „zwangsumiert“ wird, das stand leider weder auf unserem Ticket noch sonst irgendwo. Tja.

Zum Abschluss unseres Neuseeland-Abenteuers treffen wir auch noch auf einen bekennenden Velohasser. Wir sind spät unterwegs und schlagen deshalb ein zügiges Tempo an. Man will ja noch bei Licht im Zelte sein. Da entdecken wir etwas, was wir in Neuseeland fast nie getroffen haben. Einen Veloweg! Und was für einen! Er ist geschätzte 40 Zentimeter breit und anstatt flach der Strasse zu folgen, geht er ständig auf und ab. Da wir keine Zeit verlieren wollen und mit unseren sperrigen Seitentaschen sowieso jeglichen entgegenkommenden Velofahrer wegrasiert hätten, bleiben wir auf der Strasse. In voller Fahrt geht es zügig voran, bis mich ein Neuseeländer im Pickup überholt, vor mir anhält und mit den Armen rudert, als sei die Schwiegermutter im Hintersitz vom Herzinfarkt getroffen. Schweren Herzens ziehe ich also die Bremse. Der bärtige Herr teilt ungehalten mit, dass man wegen ‚folks like you‘, Gesindel wir uns, einen Veloweg gebaut hätte! Und dass es ja gar nicht ginge, dass wir jetzt auf der Strasse fahren! Denn man hätte EXTRA diesen Veloweg gebaut. Für uns! Ob wir das eventuell übersehen hätten? Obwohl ich vor Wut innerlich koche, enthalte ich mich zynischer Kommentare und fahre weiter. Als sich keine zweihundert Meter weiter vorne der extra für uns gebaute Veloweg übrigens in Nichts auflöst, komme ich dann doch kurz ärgerlich ins Schnauben…

Und nun sitzen wir also im Flugzeug nach Australien und sind gespannt auf unseren kurzen Zwischenstopp vor der Heimreise. Gemeinsam kleben wir beim Landeanflug an unserem Plexiglasfenster und schauen gebannt hinunter: Glitzerndes Meer, riesige Tanker, die Grossstadt glänzt. Es ist Liebe auf den ersten Blick.

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Abgeholt werden wir von unseren australischen Velofreunden Eve und Alex, die wir ein halbes Jahr zuvor im usbekischen Buchara zum ersten Mal getroffen hatten. In den nächsten Tagen werden wir von unseren Gastgebern verwöhnt, wie es nur geht. Wir unternehmen Küstenwanderungen, lernen die beste Gelateria der Stadt kennen, wandeln durch Parks und Gärten, bestaunen das Opernhaus, lachen über die bizarren Installationen des Kunstmuseums, essen Nudeln beim authentischsten Chinesen der Stadt, lernen an der hauseigenen Kaffeemaschine das Barista-Handwerk, treffen uns mit einer Gruppe von Freunden zum chinesischen Barbecue, degustieren australischen Wein und französischen Käse und spielen bis in alle Nacht. Es ist definitiv schöner, eine Stadt durch die Augen der Einheimischen zu entdecken (siehe Fotogalerie). Thank you guys, it was wonderful!

Verloren, zerstört, gestohlen… versenkt!

Alles begann ganz harmlos. Erst waren es ein paar Löcher in den Handschuhen aus feinster Merinowolle in Scuol. Dann der spurlos verschwundene Hering in Kroatiens Sturmböe. Dann die gebrochenen Zeltstangen in Griechenland. Dann das streikende Objektiv in Turkmenistan. Soweit noch alles unter Kontrolle.

Die eigentliche Zerstörungswelle begann erst in China. Das heisst: Eigentlich fand sie ihren Anfang auf 4000 Metern Höhe in Tadschikistan. Der Wind weht so stark, dass Christians parkiertes Velo umfällt, genau auf den am Lenker hängenden Helm. Das Zersplittern in tausend Styropor-Teile klingt lustig – doch ist der Helm fortan nur mehr als Kopfschmuck zu gebrauchen. Und wir wissen noch nicht: Die Material-Zerstörungswut ging erst gerade los.

Im Osttibet verschwindet der teure Velohandschuh spurlos. Nach dem Objektiv verabschiedet sich nun auch die Olekularmuschel der Kamera. Das Rücklicht fällt ab. Der Speicherstick streikt. Die Stirnlampe setzen wir erst unter Wasser, dann wird sie unter der Wärmelampe abgefackelt. Und in einer spektakulären Aktion entledigen wir uns auch noch eines Bremshebels. Doch nicht nur das eigene Material gerät in den Fokus unserer zerstörerischen Kraft. In Hotels fallen Duschbrausen auseinander, geben Glühbirnen den Geist auf – wo wir hinkommen, herrscht Verwüstung!

In Malaysia verlieren wir im Tagestakt Speichen. Als wir das Übel in einem Video dokumentieren wollen, lassen wir gleich auch noch unsere Kleinbildkamera zu Boden fallen. Minus eine Kamera.

In Neuseeland fokussieren wir uns vor allem auf das Outdoormaterial. Bei einem besonders hart zu knackenden Boden spickt der Kopf des Herings weg. Die Naht am Zeltreissverschluss reisst auf, und künftig sorgt ein Klebband dafür, dass Mücken und andere Stechbiester draussen bleiben. Die Daunenmatte speit beim Abblasen jeweils tausend Federn in die Luft. Unsere T-Shirts aus Merinowolle haben von der Sonne und vom Schweiss Löcher, die sich nicht mehr stopfen lassen. In der Jugi klaut man uns die Trinkbecher und das Sackmesser. Langsam kommen Clochard-Gefühle auf.

Es ist nicht der eigentliche Verlust, der uns an den Nerven zerrt. Es ist der zermürbende Zerfall des Materials und das stete Organisieren von Ersatz, das uns zunehmend frustriert. Und die eigene Dummheit. Denn just als wir denken, dass es langsam nichts mehr zu verlieren und zerstören gibt, stoppen wir mitten auf einer Brücke für ein Foto. Mit Schwung nehme ich die Kamera hervor, den Objektivdeckel ab, und – oh Schock… er spickt aus der Hand und versinkt lustig flatternd im reissenden Fluss.

Es ist manchmal ein Segen, dass man nicht weiss, was die Zukunft bringt. Wer weiss, ob wir weitergefahren wären, hätten wir schon damals gewusst: In Italien wird uns auch noch ein Velo geklaut.

For sale

Häuser, Pubs, Bauernhöfe, Motels, Weideland, Restaurants, Ruinen, ganze Freizeitanlagen, ja sogar Kirchen: In Neuseeland ist alles for sale. Auch an den entlegensten Orten strahlen uns die auf Holzpflöcken in den Boden gerammten Immobilienhaie und Grundstücksmaklerinnen mit ihrem Kukident-Lächeln an. Nicht die Einsamkeit oder die lästigen Sand Flies sollen die Gründe für den Ausverkauf der Südinsel sein, wie wir zuerst vermuten. Nein, es lockt das schnelle Geld. Bei den hierzulande nicht sehr beliebten Rentnern aus den USA soll es besonders populär zu sein, am anderen Ende der Welt ein Stückchen Land zu kaufen. Vermutlich überlassen die neuen Besitzer die Bewirtschaftung dann einem Einheimischen, während sie draussen auf ihrer Veranda ein Glas Weissen trinken und dabei von einer Horde Stechbiestern leergesaugt werden. Selbst eine Chinesin, die mitten in der Pampa ein Pub bewirtet und dazu chinesische Gerichte serviert, hat sich ein „Zu Verkaufen“-Schild organisiert und haut bei nächster Gelegenheit ab. Als wir bei ihr die Gebühren des nahen Zeltplätzchens begleichen wollen, kommen wir mit den einzigen zwei Gästen ins Gespräch. Es ist ein liebenswürdiges dänisches Rentnerpaar, das in der Nähe eine Farm besitzt und hier die europäischen Wintermonate überbrückt. Einen weiteren Hof haben sie in der Heimat, ebenso ein schönes Appartement in Kopenhagen. „We think that’s quite clever!“ sagen sie, zahlen uns ein Bier und grinsen entspannt. Hat was!

Mangels eigener Immobilie stellen wir unser Zelt auf und kommen mit den zwei weiteren Besuchern des Campgrounds ins Gespräch. Wie könnte es sonst sein, es ist ein Schweizer Paar auf Veloreise. Mit einem grossen Feuer versuchen wir, der Insektenplage Herr zu werden, leider erfolglos: Die Biester ignorieren unsere Rauchzeichen und stechen munter weiter. Nur mit unserer thailändischen Extragiftmischung können wir das Ungeziefer in Schach halten. Dafür scheint tagsüber mal die Sonne – ist es die Ruhe vor dem Sturm? Nach Tränengas in Istanbul, verschütteten Strassen und eingestürzten Brücken in China oder Unruhen in Thailand ist es Zeit für einen richtigen Tropensturm: Zyklon Lusi ist unterwegs! Unsere Wege kreuzen sich ziemlich genau in Nelson.

Zyklon Lusi

Der Weg dahin ist einmal mehr eine Kombination von unerhört steilen Anstiegen, vielen Kilometern und einen uns permanent verhöhnenden Gegenwind – wie wir das lieben! Immerhin scheint tagsüber die Sonne. Erst während der sich hinziehenden Anfahrt durch end- und gesichtslose Gewerbeviertel verdüstert sich der Himmel. Kaum stehen wir vor dem gebuchten Hostel, beginnt es zu regnen. Die apokalyptische Berichterstattung zum aufkommenden Sturm hat uns vorsichtig gemacht: Zum ersten Mal seit unserem Start in Christchurch stellen wir nicht unser Zelt auf, sondern kommen in den Genuss von eigenen vier Wänden und einer richtigen Matratze – kostenloser Blick auf riesige Schiffscontainerstapel im Hafen inklusive! Drei Tage dauert unsere Zwangspause. Hatte Lusi auf der Nordinsel noch erhebliche Schäden angerichtet hat, haben wir es nur noch mit einem Stürmlein zu tun. Zwar fegt uns der Wind beim Spazieren durch die Strassen manchmal fast von der Strasse, aber zusammen mit den Locals nehmen wir es sportlich und geniessen das Kleinstadtleben. Entdecken einen echten Italiener, der weiss, was eine Pizza ist. Besichtigen die Sehenswürdigkeiten – wobei dies in recht kurzer Zeit erledigt ist, denn abgesehen von einer mittelprächtigen Kathedrale im Art-Deco-Stil gibt es so gut wie nichts zu sehen. Staunen über die bemerkenswerte Anzahl an Supermärkten – Essen scheint wirklich eine der Lieblingsbeschäftigungen der Leute zu sein. Stellen fest, dass offenbar eine ganze Generation von neuseeländischen Jugendlichen ihre Zeit damit verbringt, in verwahrloster Kluft als Strassenmusikanten ein paar Dollars zu verdienen. Erfreuen uns nicht zuletzt an der Tatsache, dass wir nicht permanent von einem Schwarm Sand Flies verfolgt werden. Sitzen im gemütlichen Hostel, während es draussen Bindfäden regnet. Fast werden wir heimisch, aber die Nordinsel ruft!

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Das Warten hat sich gelohnt: Bei strahlendem Sonnenschein und hohen Temperaturen fahren wir auf dem malerischen Queen Charlotte Drive durch die zusehends zerklüftete Gegend der Marlborough Sounds. Immer wieder gibt die kurvige Strasse einen atemberaubenden Blick auf einsame Buchten. Und dann nehmen wir Abschied von der Südinsel: In Picton besteigen wir frühmorgens die Fähre, die uns nach Wellington bringt. Wir merken schnell, dass wir in der Hauptstadt angekommen sind: Eine beachtliche Dichte an Kravattenträgern markiert das politische Zentrum des Landes. Glücklicherweise ist der Bahnhof gleich gegenüber vom Fährhafen, wir packen die Gelegenheit und ergattern uns Bahntickets für die Weiterfahrt nordwärts. Uns bleiben nur noch zwei Wochen bis nach Auckland und die wollen wir nicht mit Schäfchenzählen in den endlosen Weiden der südlichen Nordinsel verbringen. Da der Zug just zur Abendessenszeit unterwegs ist, geniessen wir ein selbst mitgebrachtes Picknick und kassieren prompt einen saftigen Zusammenschiss des Zugbegleiters. Unser mitgebrachter Weisswein ist illegal. Alkhoholische Getränke dürfen nur in der Zugbar bezogen werden. Ganz verdattert sitzen wir da und knabbern eingeschüchtert an unserem Käse. Wenigstens das ist erlaubt! In Palmerston North (von den Einheimischen liebevoll „Palmy“ genannt) springen wir aus dem Zug und stellen erstaunt fest, dass hier sogar Fahrradrouten existieren. Wir überlegen nicht lange und nehmen die Strecke in Angriff.

Die Route führt landschaftlich reizvoll durch eine so gut wie unbesiedelte Gegend. Obwohl sogar ausgeschildert, begegnen wir weit und breit keinem einzigen Radfahrer. Auch sonst gibt es fast keinen Verkehr und wir haben die Strasse für uns alleine – eine Wohltat nach haarsträubenden Begegnungen mit wildgewordenen Truckfahrern. Zwischenzeitlich fahren wir mitten durch den Urwald und lauschen den unbekannten Geräuschen des heimischen Federviehs. Es kommt uns vor, als sässen wir mitten in einem National-Geographic-Dokumentarfilm:

Das Topografie dieser Gegend entlockt dem gemeinen Radler immer wieder eine Schimpftirade. Alle paar Kilometer frisst sich ein Fluss tief ins Gelände ein. Da steht man dann am Abgrund, schaut sehnsüchtig hinüber zur Strasse auf der anderen Seite, die zum Greifen nah scheint. Allerdings windet sich diese halsbrecherich erst satte 200 Höhenmeter in die Tiefe. Da unten überqueren wir dann eine schmale Holzbrücke, bevor wir die verlorene Höhe schweissgebadet zurückerobern dürfen. Zum Lohn für 1400 Höhenmeter Schinderei finden wir in Rangiwahia den wohl niedlichsten Campingplatz des ganzen Landes. Die goldenen Jahre des Dorfs sind zwar schon länger vorbei, wir finden nur ein paar verstreute Häuser vor. Aber das einsame Plätzchen gleich im Dorfzentrum ist uns einfach sympathisch, nicht zuletzt wegen dem aufregenden Ausblick auf die lokalen Hotspots:

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Hier tanzt der Bär: Rangiwahia Downtown

Die Stille wird nur selten unterbrochen von ein paar Bell Birds, deren Gesang uns manchmal an das Rauschen und Zirpen der guten alten Dial-up-Modems erinnert. Dass die kleine Schule im Nachbardorf in einem handgefertigten Faltblatt den Durchreisenden bittet, doch auf einen Besuch vorbeizuschauen, passt ebenfalls in die entspannt-melancholische Stimmung.

Inzwischen sind wir auch in der Lage, das blumige Marketing-Englisch der Tourismusverantwortlichen des Landes zu interpretieren. Die Broschüre zum Manawatu Cycle Way liest sich mit dem vifen Auge eines erfahrenen Neuseelandradlers folgendermassen:

The 126-kilometre Manawatu Cycle Way weaves its way (die kurvige Strecke ist ein einziges Auf und Ab) from Mangaweka to Palmerston North City, providing cyclists with a two-day trip set against the region’s unique rural landscape (Schafe, Schafe, Schafe, Schafe). This off-the-beaten-track (hier kommt kein Mensch, und das hat seinen Grund!) takes you on a journey to discover hidden places and tucked away treasures (so versteckt, dass auch wir sie nicht finden) ranging from convivial country cafes and pubs (leider alle geschlossen, nur bellende Hunde da); heritage sites (oooh, ein antiker Kirchturm aus dem Jahr… 1953!), galleries and gardens (wird ausnahmsweise das Gras mal nicht gemäht, wachsen sogar Blumen), to scenic reserves, day walks, swimming holes, glow-worm caves, picnic areas (Kiesplatz neben der Strasse ohne jegliche Annehmlichkeiten wie Tisch, Sitzbank oder Mülleimer, man fährt ja im Wohnmobil vor), and camping spots (alle bereits geschlossen).

Kühe, Schafe und immergleiches Weideland haben wir nun genug gesehen. Die vor uns liegende Vulkanwelt verspricht endlich ein bisschen Abwechslung. Kommen wir zunächst noch einmal in den Genuss von 1001 Hügeln und einer Fahrt durch ein Übungsgelände der Armee, finden wir uns bald auf einer sanft ansteigenden Ebene wieder. Vor uns erhebt sich der mächtige Mount Ruapehu mit seiner schneebedeckten Krone. Fast 2800 Meter hoch ist der imposante Berg und damit der höchste Vulkan Neuseelands. Obwohl es in jüngerer Zeit immer wieder Eruptionen gab, befinden sich hier Skigebiete mit der dazugehörigen Infrastruktur. Ohakune scheint eine einzige Ansammlung von Unterkünften und Verpflegungsstätten für Alpinsportler zu sein. Uns zieht es darum bald weiter zum Mount Ngauruhoe, dessen Name für nichts weniger als „heisse Steine werfend“ steht. Bleibt nur zu hoffen, dass der Berg in den nächsten Tagen auf ein Feuerwerk verzichtet – nicht umsonst hat er es als „Mount Doom“ in Lord of the Rings zu einiger Bekanntheit geschafft. Tatsächlich übt die perfekt kegelförmige Gestalt des Vulkans eine magische Faszination aus. Bei recht schönem Wetter pedalen wir durch diese Wunderwelt, gerade richtig für unseren Jubiläumstag: Seit einem vollen Jahr sind wir nun furt und am anderen Ende der Welt angekommen. Wie klein dieser Planet doch ist!

Frühmorgens hat der Ngauruhoe noch seine orange Mütze an

Frühmorgens hat der ferne Ngauruhoe noch seine orange Mütze an

Hat uns die Berglangschaft der Kiwis bisher nicht zu Freudensprüngen verleitet, finden wir an diesen bizarren Steinformationen wesentlich mehr Gefallen – einen giftig dampfenden Schlot findet man in der fernen Heimat ja nicht gleich um die Ecke. Wir werden deshalb mit unserem Zelt ansässig und machen uns auf zum Tongariro Alpine Crossing. Fast 20 Kilometer führt dieser (Massen)-Wanderweg durch eine einzigartige Vulkanlandschaft. Mal präsentiert sich der Mount Ngauruhoe in dichten Nebel gehüllt, mal zeigt er seine steilen, tiefrot schimmernden Abhänge. Kraterseen glitzern mal smaragdgrün, mal tiefblau. Aus unzähligen Löchern im porösen Gestein zischt penetrant-schwefliger Dampf heraus. Grosses Kino! Der Abstieg zieht sich dann allerdings ewig hin und wir stellen ernüchtert fest, dass unsere Fitness zwar zum Zweiradfahren taugt, die Muskeln zur Fortbewegung zu Fuss hingegen zwischenzeitlich verkümmert sind. Der Muskelkater am Folgetag spricht jedenfalls Bände!

Welche Kräfte in dieser Region unter dem Boden brodeln, wird einem auf Schritt und Tritt bewusst. Geysire und blubbernde Schlammpools à la Yellowstone sind unmittelbare Zeugen der unterirdischen Aktivität. Aber auch die weitläufigen Anlagen zur geothermischen Energieproduktion sind eindeutige Zeichen dafür: 13% der Elektrizität werden auf diese Weise produziert. Jedes Hotel preist seinen eigenen Hot Pool an – Kunststück, wenn das warme Wasser sozusagen aus dem Boden sprudelt! Dazwischen machen wir Halt in Kleinstädten und Touristenorten, die allesamt den nimmerendenden Drang der Touristen nach Adrenalin zu befriedigen versuchen. Jetboating, Skydiving, Bungeejumping, Adventure Quad-Biking, Scenic Helicopter Flights – Hauptsache, es macht Lärm und erhöht die Pulsfrequenz!

Blubb!

Blubb!

In Rotorua legen wir ein letztes Mal vor dem Schlussspurt nach Auckland einen Ruhetag ein, fahren ohne Gepäck durch Schwefelfelder und blubbernde Themalquellen, beäugen holzgeschnitzte Maori-Statuen und vermelden den ersten Materialverlust infolge Diebstahl: Werden uns in der Küche des Hostels tatsächlich zwei Trinkbecher und ein Sackmesser geklaut. Sind wir nun also um die halbe Welt gefahren, doch bestohlen werden wir im zivilisiertesten Land seit Europa – bedenklich!

Von nun an gehts nur noch in nordwestliche Richtung, das subtropische Klima macht sich bemerkbar und wir freuen uns mittlerweile schon fast über den stetigen Gegenwind, der uns etwas Kühlung verschafft. Europa beginnt für uns schon hier: In Te Aroha landen wir unvermutet auf einem Zeltplatz, der seit vielen Jahren von einer Schweizerin geführt wird, in Kaiaua verbringen wir einen lustigen Abend mit einem Paar aus Ostdeutschland und einen Teil der letzten Etappe entlang dem malerischen Thames-Meeresarm legen wir mit Radler Neil aus Grossbritannien zurück. Aber halt, Europa kann warten: Wir legen ja noch einen kleinen Zwischenhalt auf einem grossen Kontinent ein. Kia ora, e noho rā New Zealand!

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