Goldene Himbeere

Die Goldene Himbeere vergeben wir länderweise – pro Land kann es mitunter mehrere Preisträger geben. Liebe Tourismusfachleute, hier gilt: Je mehr Awards, desto schlechter! Wir freuen uns auf nette Begegnungen, freundliche Autofahrer und guten Wein! 😉

Schweiz | Italien | Kroatien | Albanien | Griechenland | Türkei | Iran | Turkmenistan | Usbekistan | Tadschikistan | China | Laos | Thailand


Schweiz

Himbeere 1: Das Preisniveau

Die Schweiz fällt negativ auf – das müssen wir leider frank und frei sagen, liebe Tourismusverantwortliche – in Sachen Übernachtungspreise. Kaum haben wir es über die Grenze nach Italien geschafft, kostet eine Übernachtung nur noch maximal die Hälfte. Und die Landschaft ist hier nicht 50 Prozent hässlicher. Am Preis-Leistungs-Verhältnis könnte man also noch arbeiten. Aber das ist ja nicht neu…

Himbeere 2: Swiss Youth Hostelling

Ebenfalls eine goldene Himbeere erhält die Vereinigung Swiss Youth Hostels. Voller Freude erwerben wir in der Schweiz einen Hostelling International Ausweis für Franken 33 pro Person. In Italien erfahren wir: Hier zahlt man…  2 Euro pro Person. Wie bitte? Da können selbst die gewieftesten Tourismusfachleute nicht mehr mit dem unterschiedlichen Preisniveau argumentieren. Weil wir uns schon über die schöne Argumentation freuen, schicken wir Swiss Youth Hostels ein Mail. Hier die Antwort:

„Die Mitgliedschaft bei den Schweizer Jugendherbergen möchte mehr sein als nur einen Mitgliedsausweis: das Mitglieder- und Gästeservice Team ist Anlaufstelle für alle Fragen bezüglich Schweizer und ausländischen Jugendherbergen, tätigt Reservationen und ist für alle Belange bezüglich Mitgliedschaften ihr Ansprechpartner (z.B Ersatzausweise per Mail verschicken). Wir sind überzeugt, dass die CHF 33.00 gut investiert sind.“

Haha! Unverfrorener als wir gedacht haben. 🙂


Italien

Über die eher zweifelhaften „Velowege“ haben wir ja bereits berichtet. Sonst will uns so gar nichts Himbeerwürdiges einfallen. Bravissima, Italia!


Kroatien

Zum zweiten Mal sind wir nun auf Durchreise in der kleinen Hafenstadt Ploče, und wir sind sicher: Das ist schlicht die hässlichste Küstenstadt der Adria. Sorry! Wir waren ja gewappnet und hätten Änderungen zum Besseren wohlwollend aufgenommen, aber schon bei der Einfahrt: Die unglaublich heruntergekommenen Plattenbauten. Im Zentrum bei der an sich schönen Promenade hats sogar für eine potthässliche Kirche gereicht, daneben ein undefinierbares Geschäftshaus und dahinter erstreckt sich dieses unglaubliche Geschwür von einer Bausünde. Den Architekten möchten wir echt mal kennenlernen!

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Albanien

Den wenig erbaulichen Strassenzustand haben wir ja bereits ausführlich beschrieben. Und natürlich sind da die unzähligen Betonskelette, die mit den Pilzbunkern um die Wette zerfallen, umrahmt von verwitterten PET-Flaschen und umweht von Tausenden weggeworfenen Plastikbeuteln. Zusammengefasst: Albanien hat eine grandiose Natur, die jedoch achtlos verschandelt und mit Müll zugekleistert wird. Wir können nur hoffen, dass die Albaner in den kommenden Jahren ein entsprechendes Umweltbewusstsein entwickeln – denn bei der Pflege des Mercedes klappts ja vorbildlich!


Griechenland

Himbeere 1: Felgentortur

Die Strände von Korfu, die Klöster von Meteora, das schöne Hinterland Nordgriechenlands, Chalkidiki und und und: Die Griechen bieten wirklich allerhand, da muss man die Himbeere mit der Lupe suchen! Strassentechnisch – ein wichtiges Kriterium für Reisende wie wir – profitiert das Land davon, dass wir zuvor in Albanien waren und uns somit fast jede Piste besser vorkommt als eben erst noch. Ein Ärgernis gibt es hier aber genauso wie in den Balkanländern zuvor: Da fährt man auf einer feinen, geteerten Strasse ortseinwärts und schon beginnt die Holperei. Braucht Hinz auf der anderen Strassenseite einen Wasseranschluss oder Kunz vom nächsten Haus Strom von gegenüber, dann wird die Strasse kurzum querbeet in der ganzen Breite aufgespitzt. Nach getaner Arbeit wird behelfsmässig aufgefüllt und manchmal sogar wieder geteert, aber praktisch immer bleibt ein hässlicher Spalt von 5 bis 10cm bestehen. Ausweichen zwecklos! Ein übler Schlag mehr in die Felge… Da können die Griechen noch besser werden.

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Himbeere 2: Der Orientierungsvandalismus

Nun haben wir uns also in mühsamster Kleinstarbeit das griechische Alphabet zu eigen gemacht. Nicht weil wir denken, dass wir das später im Alltag wieder mal brauchen können. Sondern weil man auf den Strassen Griechenlands nie ganz sicher ist, ob ein Strassenschild wenige Meter später auch noch in – wie wir sagen – „normalen Buchstäbeli“ kommt oder ob man sich auf rein Griechisch orientieren muss. Das Problem ist, dass wir nach wie vor nicht flüssig lesen könnnen. Wenn wir also beispielsweise mit 25 Stundenkilometern an einem Schild vorbeibrausen und auf diesem drei Ortsnamen aufgelistet sind,  können wir in der zur Verfügung stehenden Zeit knapp den obersten Namen entziffern. Das wirklich Gemeine aber ist, dass es in Griechenland gross en Vogue ist, Hinweistafeln teilweise oder grad ganz zu überprayen. Selbst wenn es uns also gelungen wäre, die Buchstaben zu entziffern, haben wir so dann definitiv keine Chance mehr und unsere hart erkämpften Lesekenntnisse nützen uns einen alten Hut. Nicht nett!

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Himbeere 3: Der Teuro

Hatten wir unseren netten Gastgebern in Bozen noch scherzhaft versprochen, uns im krisengeschüttelten Griechenland nach einer preiswert zu kaufenden Insel umzusehen, ereilt uns bei Ankunft ein kleiner Schock: Nichts von günstig! Vor allem Lebensmittel kosten hier ein kleines Vermögen. Man ist als Konsument mit Schweizer Hintergrund ja hart im Nehmen, doch so unerschwinglich hätten wir uns den griechischen Teuro nicht vorgestellt. Wir sagens, und die Einheimischen nicken leidgeprüft mit.


Türkei

Weniger(stimmig) wäre mehr(stimmig)

Wir sind ja kulturell, religiös, kulinarisch und auch sonst sehr tolerant. Doch das mehrstimmige Gekrächze zu Gebetszeiten kann mitunter an den Nerven zerren, vor allem zu Unzeiten wie zum Beispiel morgens um fünf Uhr. Es ist nicht der Ruf selbst, der das Gehör strapaziert, sondern die Tatsache, dass jeder Quartier-Muezzin in seinem eigenen Tempo, in seiner eigenen Stimmlage und Lautstärke sein eigenes Gebetssüppchen kocht. Dass die Disharmonie so zur Hörqual verkommt, ist nicht verwunderlich. Dabei ginge es laut Wikipedia auch anders! In Abu Dhabi-Stadt ist der Gebetsruf koordiniert: Aus allen Moscheen der Stadt ertönt ein einziger Muezzin. Schön! Oder in Indonesien, so heisst es, werde oft auf einen Muezzin verzichtet und mittels Gongschlägen zum Gebet aufgerufen. Originell! Und im französischen Marseille hat die muslimische Gemeinde bewusst auf den Muezzinruf verzichtet und sendet stattdessen zum Gebet ein Lichtsignal aus. Oh du Wohltat!


Iran

Durchgeschüttelt und verstunken auf Irans Strassen

Gleich als wir die iranische Grenze überschreiten, ist klar, für was wir diesem Land eine goldene Himbeere vergeben müssen: Bei der Erschaffung der Erde muss Allah irgendwann gemerkt haben, dass er noch viel zu viele „Bumps“ (hmm, Bremsschwelle auf Deutsch?) übrig hatte, und streute sie in ein Land, das ihm genug leer vorkam: Iran. Während sich die Autos davon keinesfalls stoppen lassen (für was hat man denn Stossdämpfer?), müssen wir Velofahrer jedes Mal quasi auf null abbremsen. Das lässt nur einen Schluss zu: Es muss im Iran ein massives Veloraser-Problem geben. 😉 Daneben erhält der Iran leider auch eine goldene Himbeere für die mieseste Luftqualität. Der Smog in Teheran ist so übel, dass am Abend der Hals schmerzt und die Augen brennen. Und trotzdem werden jeden Tag mehr als 2000 neue Autos zugelassen. Ohne Katalysator, versteht sich.


Turkmenistan

Von der Unmöglichkeit, als Ausländer einen Zug zu besteigen

Das Durchqueren der 700 Kilometer turkmenischer Wüste innert 5 Tagen hätte so einfach sein können: Fahrrad verladen, in den Zug einsteigen und ein paar Stunden gemütlich durchs Land holpern. Unsere Versuche, ein Ticket zu ergattern, sind jedoch kläglich gescheitert. Nachdem ich mich mit viel Geduld ganz zuhinterst an eine Meute ellbögelnder Turkmeninnen gestellt habe, bin ich eine Stunde später vorne bei der Dame. Ich: „Bilet Turkmenabad?“ Sie: „Njet!“ Ich deute verzweifelt auf den anderen Schalter: Vielleicht da? Die Dame schüttelt den Kopf. Der nächste, bitte! Wie man es anstellen muss, um in diesem Land als Ausländer einen Zug besteigen zu können, das muss uns erst mal noch einer erklären!


Usbekistan

Himbeere 1: Hygiene

Wir waren ja mehrfach vorgewarnt: Sobald man seinen Fuss nach Usbekistan setze, fange es an mit dem Rumpeln im Magen. Sogar frische Melonen seien problematisch, berichten Traveller, da diese zur Erhöhung ihres Kampfgewichts (und damit zur Preismaximierung) mit verseuchten Wasser vollgepumpt werden: Wie fies! So oder so: Die Hygiene und das Wasser in Usbekistan müssen unterirdisch schlecht sein. Obwohl wir weitestgehend aufs Auswärtsessen verzichten und mit der Zeit gar mit Flaschenwasser Zähne putzen, plagt uns hie und da ein kleiner Durchfall. Wenigstens kein grosser…

Himbeere 2: Stapelweise Zaster

Dass wir für einen Dollar oder einen Euro Unmengen von Fremdwährung erhalten, sind wir uns vom Iran her schon gewohnt. Im Gegensatz zu Usbekistan erhält man im Iran wenigstens aber 100‘000er oder gar 500‘000er Scheine. So kann man einen Eintritt von 150‘000 Rial trotz allem mit nur zwei Noten erledigen. In Usbekistan ist die Tausendernote das höchste aller Gefühle, was umgerechnet weniger als 50 Rappen entspricht. So steht man also im Laden an der Kasse und zahlt seinen Einkauf mit einem Stapel von 35 Noten. Oder 70, wenn man das Pech hat, vom Geldwechsler nur Fünfhunderter erhalten zu haben. Apropos Pech: Gewechselt wird im Iran wie in Usbekistan auf dem Schwarzmarkt, da der offizielle Kurs unterirdisch schlecht ist. Wer in Usbekistan zu faul, zu naiv oder zu gutgläubig ist, sämtliche Noten abzuzählen, wird gnadenlos übers Ohr gehauen. Alles erlebt!


Tadschikistan

Die Mutter aller Rumpelpisten

Wir wissen, sie können nichts dafür. Im Gegenteil, Tadschikistan ist das ärmste Land Zentralasiens und Nummer 137 von 188 Ländern der Welt. Geschüttelt vom Wegfall der Subventionen der Sowjetunion und danach von einem zermürbenden Bürgerkrieg. Dennoch müssen wir für Tadschikistans Strassen leider eine goldene Himbeere verteilen. Schon bei der Einreise ganz im Westen des Landes finden wir miserable Strassenbedingungen vor, die sich bei der Anfahrt zum Pamir Highway noch verschlechtern. Sandpisten, Geröllpisten, Löcherpisten und ganz weggeschwemmte Pisten – es gibt keinen schlechten Strassenzustand, den wir in diesem Land nicht gesehen hätten. Ausser ein paar von Iranern und Chinesen gesponserte Abschnitte sowie die 100 Kilometer von der Hauptstadt bis zum Wohnort des Präsidenten: Hier finden wir besten Teer und einen Tunnel, der kurz vor der Eröffnung steht. Wie wir später in einem Artikel im Spiegel lesen, wünschen sich offenbar viele Tadschiken nur zweierlei: „Frieden und Asphalt für die Strasse.“ Das wünschen wir ihnen auch.


China

Himbeere 1: Diskriminierung im Bett

Wer China auf eigene Faust bereist, stellt sich automatisch auf einige Widrigkeiten ein. Zum Beispiel, dass der Durchschnittschinese kein Wort Englisch spricht oder dass man als gemeiner Tourist ohne Kenntnisse der chinesischen Zeichen als Analphabet dasteht. Das ärgerlichste Hindernis beim Bereisen dieses riesigen Landes ist aber die hirnverbrannte Restriktion, dass Ausländer nur in bestimmten (meist teuren) Hotels übernachten dürfen. Natürlich sind die entsprechenden Anlagen keinesfalls gekennzeichnet. So irrt man also nach einem anstrengenden Tag auf der Suche nach Ruhe und Erholung zuweilen von Pontius bis zu Pilatus – und verflucht lautstark die chinesische Regierung. Dabei wollte man einfach nur ein Bett!

Himbeere 2: Diskriminierung auf der Strasse

Die Zahlen sind gigantisch. Allein im Jahr 2013 soll China 80’000 Kilometer Autobahn gebaut haben. Die Gesamtlänge des Strassennetzes in den ländlichen Regionen Chinas betrug 2012 3,5 Millionen Kilometer. Im Vorjahr sollen umgerechnet 30,2 Milliarden US-Dollar in den Ausbau gesteckt worden sein. Wir sind durch viele dieser Baustellen gefahren: Durch Staub, Dreck, Schlamm, Schotter, Steinbrocken, Matsch. Lastwagen, Baumaschinen, Betonröhren, Kieshaufen, unfertige Brücken und viele weitere Hindernisse aller Art wurden uns in den Weg gestellt. Und was ist das Resultat dieses monströsen Bauwahns? Dass man mit dem Velo irgendwann überhaupt nicht mehr durch das Reich der Mitte fahren kann, wie wir schon in unserem China von A bis Z berichtet haben. Denn das Radeln auf der schönen, neuen Autobahn ist tabu. Und wurde der vierspurige Expressway erst mal dem Verkehr übergeben, verkommt die alte Strasse zusehends – wer ausser ein paar Schafhirten und eine Handvoll irrer Velofahrer interessiert sich schon dafür?


Laos

Déjà-vu in den laotischen Bergen

Laos: Das Land, wo wir vor einigen Jahren zum ersten Mal „richtige“ Veloferien gemacht haben. Vieles hat sich seit damals geändert, so säumen auch in Laos neue Telefonmasten mit dicken Glasfaserleitungen die Strassen durch die gebirgige Dschungellandschaft. Die Bergetappe zwischen Oudomxai und Pak Mong aber, die ist immer noch wie eh und je. Ein Auf und Ab und alle paar Meter Schotterabschnitte, so dass wie nie wirklich mit Tempo fahren können. So erleben wir unser Déjà-vu und erreichen das Ziel, ein verschlafenes Nest an einer Strassenkreuzung, auch bei unserer zweiten Laosfahrt im Dunkeln. Aber vielleicht haben die Chinesen in ein paar Jahren im eigenen Land nichts mehr zu bauen und schicken dann ein paar Bagger und Arbeiter, auf dass wir beim dritten Mal entspannt ins Ziel rollen können!


Thailand

Bohrender Schlaf

Die Matratzen in Thailand und Laos sind gleich wie der hiesige Massagestil: Eine Tortur. Im besten Falle landet man auf Schlafunterlagen so hart wie Stein: Auf früheren Reisen haben wir in Laos gar auf Sagexplatten übernachtet! Eine besondere Strafe sind die Matratzen mit Sprungfedern so sperrig wie Ofenrohre. Dreht man sich auf die andere Seite, bohrt sich ein weiteres Stück Eisen in die Bauchhöhle. Oder die Rippe. Oder die Schulter. Guet Nacht!


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